Das universelle Tabu

Die Kulturen unserer Welt sind sich einig: Sexuelle Praktiken zwischen Geschwistern sind verboten. Dabei passieren sie häufig. Weshalb?

Die Illustration zeigt einen Bruder, der seine Schwester körperlich bedrängt und zum Schweigen nötigt
Inzest zwischen Geschwistern ist häufig eine Frage von Dominanz und weniger von Lust. © Natalia Bzdak

Als die Prinzessin Leia ihren geliebten Luke Skywalker in einem der Star Wars-Filme küsst, ahnen beide nicht, was die Zuschauer ebenfalls erst in einer späteren Folge erfahren: Sie sind Geschwister. Im Roman Das Hotel New Hampshire von John Irving begehrt John seine Schwester Franny hartnäckig, bis sie ihren ersten und letzten Sex miteinander haben. Das sind nur einige Beispiele von vielen, denn Schriftsteller und Filmemacher hat das Thema des Inzests schon immer fasziniert. Schuld und Geheimnis, Tabu und Liebe – große Gefühle verdichten sich in der unmoralischen Beziehung.

Diesem entrückten, fast mystischen Bild vom Geschwisterinzest in Film und Literatur kann Esther Klees, Professorin für soziale Arbeit an der Internationalen Hochschule IUBH, wenig abgewinnen. „Das ist ganz weit weg von der Wirklichkeit, mit der ich mich befasse. Ich verwende deshalb auch nicht mehr gerne das Wort Inzest – anders als am Anfang meiner Forschungen vor zehn Jahren. Ich spreche von sexuellem Missbrauch oder von sexualisierter Gewalt, weil es das beim genauen Hinsehen oft ist. Es besteht ein Machtungleichgewicht zwischen beiden Sexualpartnern und wirklich einvernehmlich ist die Beziehung nicht.“

Unter den befassten Psychologen und Sozialwissenschaftlern ist tatsächlich vorwiegend von sexuellem Missbrauch zwischen Geschwistern die Rede. Ob es harmonischen Inzest gibt, stellen sie meist infrage. Oder sie blenden es in ihren Forschungen aus. Unstrittig ist nur, dass das spielerische…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 6/2020: An Krisen wachsen
Psychologie Heute Compact 64: Trauer und Verlust
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