Die gehimmelten Tiere

Der Autor schreibt in dieser Ausgabe über Sissi, Charlie und andere geliebte Familienmitglieder, deren Tod etwas einläutete, das nicht wieder aufhörte

Die Illustration zeigt eine Blumenwiese darauf ein Haus und darüber ein Himmel der voll ist mit Tierwolken, wie zum Beispiel Hund, Vogel oder Hamster
© Jan Robert Dünnweller für Psychologie Heute
Die Illustration zeigt eine Blumenwiese darauf ein Haus und darüber ein Himmel der voll ist mit Tierwolken, wie zum Beispiel Hund, Vogel oder Hamster
© Jan Robert Dünnweller für Psychologie Heute

Als ich zehn Jahre alt war, kauften meine Eltern einen frisch geworfenen Cockerspaniel. Vermutlich geschah das wegen meiner Schwester. Der Spaniel kotzte alles voll, auch alle anderen Körperöffnungen waren sendungsbewusst, schon am zweiten Tag wurde er in einem gut putzbaren Kellerraum inhaftiert und beobachtet, nach etwa fünf Tagen wurde er an die Züchterin zurückgegeben, der arme Hund.

Hatte er einen Namen in diesen Tagen? Ich vermute nicht.

Wir besaßen ein Meerschweinchen, das lebte immerhin ganz gut bei uns. Nein, das muss ich revidieren. Das Meerschweinchen, das bei uns gut lebte, war das dritte. An den ersten beiden, die nur wenige Wochen bzw. Tage bei uns waren, wurde noch geübt. Wir wohnten an einem Bachlauf. Das erste Meerschwein ließ meine Schwester, weil sie es so süß fand und der Freiheitsdrang damals auch bei jungen hessischen Mädchen unbegrenzt war, aus dem Käfig frei.

Mein Vater hatte jenes erste Meerschwein mit Käfig in den Garten gebracht, damit es etwas von der Sonne, dem Rasen, überhaupt unserem Garten habe. Schwester hob den Käfig hoch, das Tier rannte sofort Richtung Bachufer, wurde dann stundenlang gesucht, aber nie mehr gefunden.

Dem zweiten Meerschwein wurde der Käfig nicht gehoben. So konnte es nicht entkommen. Der Käfig wurde aber diesmal oben aufgeklappt. Und stand unter einem Apfelbaum, der gerade trug, es ging Richtung Oktober. Jenes Meerschwein, auch es blieb in der kurzen Zeit seines Lebens vermutlich namenlos, wurde also erschlagen von einem Bohnapfel.

Eine ganz dunkle Erinnerung sagt mir, dass eines dieser Meerschweinchen doch einen Namen bekommen hatte: Whisky.

Die beste Seele in der Familie

Das dritte Meerschweinchen lebte ultralang. Es schöpfte seine acht Jahre Lebenserwartung geradezu dekadent aus, es wurde zehn. Wir hätten…

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