Wie verbreitet man ein Gerücht?

Sie sind so alt wie die Menschheit. Manchmal glauben wir an sie, obwohl sie nachweislich falsch sind. Doch welche psychologischen Faktoren stecken hinter der Wirkung von Gerüchten? Eine kleine Gebrauchsanweisung für schmutzige Propaganda

Wie verbreitet man ein Gerücht?

Sie sind so alt wie die Menschheit. Manchmal glauben wir an sie, obwohl sie nachweislich falsch sind. Doch welche psychologischen Faktoren stecken hinter der Wirkung von Gerüchten? Eine kleine Gebrauchsanweisung für schmutzige Propaganda

Viele Menschen mögen Pizza. Aber nicht jeder, der von „Pizza“ spricht, meint damit ein Lebensmittel. In manchen Kreisen ist „Pizza“ ein geheimes Codewort für illegalen Kinderhandel. Der Ort, an dem solche finsteren Deals abgewickelt werden: ein italienisches Restaurant in der US-Hauptstadt Washington; Hillary Clinton und ihre Parteifreunde gehen dort gerne hin. Sollte sich hinter der Demokratischen Partei in Wahrheit eine Art Mafia für Kinderpornografie verstecken?

Zugegeben: Das ist eine ziemlich absurde Geschichte. Dennoch hat „Pizzagate“ in den USA für viele Schlagzeilen gesorgt. Weite Teile der Bevölkerung sind der Meinung, an der Sache könne tatsächlich etwas dran sein.

Wissenschaftler interessieren sich zunehmend für die Dynamik solcher Gerüchte und konzentrieren sich dabei vor allem auf die Rolle des Internets. Die Psychologie hat schon im Zweiten Weltkrieg begonnen, sich systematisch mit Gerüchten zu befassen, also mit ,,Behauptungen, die von Mensch zu Mensch kolportiert werden, ohne dass konkrete Daten vorhanden sind, die ihre Richtigkeit bestätigen könnten“, wie es die US-Psychologen Gordon Allport und Leo Postman in ihrer klassischen Definition formuliert haben. Gerüchte sind mehr als purer Klatsch – in ihnen geht es um Themen von allgemeinem Interesse, nicht nur um Nachbarn oder Bekannte aus dem Sportverein. Die psychologische Forschung geht auch weiter als die aktuelle Debatte um fake news: Denn nicht jedes Gerücht ist eine Lüge. Im autoritären China, sagt Medienforscher Chung-hong Chan von der Universität Hongkong, sei die Mehrzahl der inoffiziellen Geschichten sogar eher wahr als falsch.

Wie aber muss eine Story aussehen, damit sie sich verbreitet? Liefert einem die Gerüchteforschung womöglich eine Art Kochrezept, um in der Gerüchteküche einen viralen Hit zu brauen?

1 Rede über Alltagsdinge!

In ihrer Anfangszeit während und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg litt die...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 8/2017: Ich lass mir Zeit!
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