Der Geruch des Ressentiments

Ekel bei unvertrauten Körpergerüchen ist ein Schutzreflex. Doch er verleitet zu Ressentiments gegenüber allem Fremden, wie eine Studie zeigt.

Der Geruch des Ressentiments

Menschen, die besonders empfindlich auf Körpergerüche wie Schweiß oder Urin reagieren, fühlen sich stärker zu autoritären Führern und ethnozentrischen Ideologien hingezogen.

In drei Studien mit insgesamt mehr als 700 Teilnehmern ermittelten Psychologen der Universität Stockholm einen starken statistischen Zusammenhang zwischen der Ekelschwelle für Körpergerüche und einem autoritären Weltbild. Die Forscher führen das auf einen fehlgeleiteten evolutionären Reflex zurück: Ekel ist eine biologische Schutzreaktion, die Infektionen vorbeugen soll – und „fremde“ Personen außerhalb des eigenen Clans waren in archaischen Zeiten eine potenzielle Quelle von Krankheitskeimen, mit denen das Immunsystem nicht vertraut war.

Einen Trump ekelt vieles an

Wer heute noch stark von diesem Impuls beherrscht wird, legt also viel Wert auf ethnische Abgrenzung, so die Überlegung der Forscher – und autoritäre politische Führer versprechen eben diese gesellschaftlichen Trennlinien.

So war es denn auch nicht verwunderlich, dass bei Befragten aus den USA unter den Geruchssensiblen überproportional viele Donald-Trump-Anhänger zu finden waren. „Interessanterweise lässt sich ja auch Donald Trump selbst oft darüber aus, wie ihn verschiedene Leute anekeln“, so Studienautor Jonas Olofsson. „Das taucht in seiner Rhetorik häufig auf.“

DOI: 10.1098/rsos.171091

Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 6/2018: Diese Wohnung tut mir gut!
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