Mythen der Küchenpsychologie

Das ist doch schizophren! Solche pseudopsychologischen Urteile sind beliebt. Doch diese "Küchenpsychologie" ist irreführend. Und nicht immer harmlos.

Ist der Kollege depressiv? Die Küchenpsychologie weiß Rat – allerdings nicht immer den richtigen. © Michael Szyszka

Hier spricht Ihr Küchenpsychologe

Das ist doch schizophren! Du solltest deine Aggressionen mal beim Sport abbauen! Guck dir nur diese gleichförmige Schrift an, total zwanghaft! – Wir sind im Alltag mit pseudopsychologischen Urteilen schnell bei der Hand. Diese „Küchenpsychologie“ ist irreführend. Und nicht immer harmlos

Die Sache ist doch ganz einfach. Der Mitarbeiter, der seit einigen Wochen immer mal wieder traurig dreinschaut, ist depressiv. Der Grund ist ja klar: Seine Abteilung wird aufgelöst und mit einer anderen zusammengelegt. Diese Entscheidung des Managements, die im Widerspruch zu den Leitlinien des Unternehmens steht, ist schizophren. Die Art, wie die Pressesprecherin das wortreich vertritt, bestätigt, dass sie eine Narzisstin ist – aber das hatten wir ja schon an ihrer ausladenden Unterschrift auf dem Aushang erkennen können.

Wir alle denken psychologisch. Wir können nicht anders. Wir erleben andere Menschen und wollen ihr Verhalten verstehen. Wir erziehen unsere Kinder und überlegen, wie wir sie erfolgreich zu ihrem Besten lenken können. Wir begründen Partnerschaften, führen Teams, wollen den Vorgesetzten gefallen, den Kunden für uns gewinnen. Und immer tun wir das, indem wir Annahmen über ihre Psyche treffen.

Der Erfolg dieses Unterfangens hängt natürlich davon ab, dass wir die richtigen Annahmen getroffen haben. Dass wir Gefühlsäußerungen korrekt identifiziert, Handlungsmuster zutreffend gedeutet, Motive, Prägungen, Eigenschaften und vieles mehr in einen sinnvollen Zusammenhang gestellt und...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 8/2018: Alles zu meiner Zeit
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