Abgebrochen

Ein Schwangerschaftsabbruch hinterlässt Spuren, führt aber selten in eine echte Depression. Viele Frauen leiden danach unter Stigmatisierung.

Die Illustration zeigt eine Frau, die traurig zur Seite blickt und einen Schwangerschaftstest in der Hand hält, während viele Hände auf sie zeigen.
Ein Schwangerschaftsabbruch ist einschneidend, macht aber nicht seelisch krank. © Natalia Bzdak

Melanie Seeger, wie wir sie hier nennen wollen, hatte sich immer Kinder gewünscht. Aber als sie mit Mitte vierzig überraschend schwanger wird, folgt auf einen kurzen Anflug von Stolz über die eigene Fruchtbarkeit bald Panik. Sie fühlt sich zu alt für ein Kind, ihr Partner mit 46 ebenfalls. Sie fürchten, der Elternschaft körperlich und emotional nicht gewachsen zu sein. Melanies Partner drängt auf einen Abbruch. Er will seine Haltung auch nicht weiter diskutieren. Sie fühlt sich alleingelassen. Ständig ist ihr nun übel von der beginnenden Schwangerschaft. Alleinerziehend zu sein traut sie sich nicht zu. Zu oft musste sie erleben, wie Frauen nach dem Mutterschutz im Beruf „auf dem Abstellgleis landeten“. Bei der Schwangerschaftskonfliktberatung hört ihr die Mitarbeiterin ruhig zu, wendet aber kaum etwas ein. Seeger fühlt sich in einer „Schockstarre“. Sie kann nicht mehr klar und vor allem weiträumig denken. Als sie in der neunten Schwangerschaftswoche zum Abtreibungstermin geht, zeigt ihr der Frauenarzt noch einmal den Fötus auf dem Ultraschallbild. Seeger hält diesen Moment kaum aus. Nur nichts denken, nichts fühlen, sagt sie sich. Dann setzt die Narkose ein.

2017 brachen in Deutschland 101 200 Frauen eine Schwangerschaft ab. Bis heute ist das Thema ein gesellschaftliches Tabu. Wer sich gegen das Austragen eines Kindes entschieden hat, schweigt darüber meist zeitlebens oder vertraut sich allenfalls sehr wenigen Menschen an. Vielleicht trägt auch...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 3/2019: Die Kunst des Aufgebens
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