Die Mär von der Superintelligenz

Künstliche Intelligenz kann sich weniger denn je mit menschlichem Denken messen.

Die Illustration zeigt einen intelligenten Computer, der ohne die Hilfe des Menschen nicht arbeiten kann
Eine KI kann Unmengen an Daten speichern, aber kaum einen VW von einem Mercedes unterscheiden. © Matthias Seifarth

Schon die ersten Forscher auf dem Gebiet der künstli­chen Intelligenz (KI) hatten sehr viel versprochen. So hatte etwa Herbert Simon, einer der wichtigsten KI-Pioniere, 1965 behauptet, KI werde innerhalb von zwanzig Jahren alle menschlichen Arbeiten übernehmen können. Als sich diese Hoffnungen nicht erfüllten, kam es in den 1980ern zum ersten „KI-Winter“. Die Forschung verlor das Interesse, es flossen kaum noch Fördermittel und Unternehmen investierten wieder in konventionelle Informatik.

Dann blühte das Gebiet wieder auf, es folgten abermals Versprechungen und Enttäuschungen, wieder ein KI-Winter und so weiter. Im Ergebnis wurde durchaus einiges erreicht – zum Beispiel wurde dieser Text mit einer Spracherkennungssoftware geschrieben, die besser wird, je häufiger sie benutzt wird. Außerdem hatte der Informatiker John McCarthy, ein anderer KI-Pionier, wohl recht, als er sagte: „Wenn etwas funktioniert, wird es nicht mehr KI genannt.“ Trotzdem: Der größte Teil der Versprechungen wurde enttäuscht – die meisten körperlichen und geistigen Arbeiten werden weiterhin von uns Menschen erledigt.

Dennoch ist heute mal wieder viel von KI die Rede. Diesmal soll die enorme Informationsmasse aus dem Internet samt sozialer Netzwerke analysiert und mit Techniken des machine learning weiterverarbeitet werden, um komplexe Zusammenhänge zu erkennen und Vorhersagen zu ermöglichen. Dazu werden die Systeme mit riesigen Datenmengen trainiert, in denen sie dann statistische Muster erkennen und auf neue Daten anwenden. So konnte zum Beispiel bei dem sehr komplizierten Strategiespiel Go das KI-Programm AlphaGo die stärksten menschlichen Spieler schlagen, weil es zuvor mit Millionen Partien zwischen starken menschlichen Spielern trainiert worden war.

Auch Roboter und Fahrzeuge, die KI-Techniken verwenden, greifen dauernd auf das Internet zu und sammeln Unmengen an Nutzerdaten, die dann wiederum von KI genutzt werden. Und wieder verkünden KI-Konzerne und Start-up-Firmen, dass in rund zwanzig Jahren KI den Menschen in den meisten geistigen...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 4/2020: Mein wunder Punkt
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