Die Grenzen des Wissens

Viele Forschungsbefunde lassen sich bei einer Wiederholung nicht bestätigen. Über den Umgang mit Fehlern und der intellektuellen Bescheidenheit.

Die Illustration zeigt einen Mann, der verzweifelt in einem Labor vor einer sehr großen Maschine sitzt, die Anleitung in der Hand
Wissenschaftlich fundierte Hypothesen müssen in Folgeexperimenten bestätigbar sein – Ist dies nicht möglich, spricht von Reduplikationskrise © Christian Gralingen

Der Gedanke war einleuchtend: Wer etwa während des Wartens auf ein Bewerbungsgespräch „Powerposen“ einnimmt – die Faust ballt oder die Hände in die Hüften stemmt –, könne sich danach stärker fühlen und deshalb erfolgreicher sein. Diesen Zusammenhang entdeckten die US-amerikanische Psychologin Dana Carney, inzwischen an der Haas School of Business der University of California, und ihre Kollegen 2010 in einer Studie.

Vier Jahre später erklärte die Forscherin in einem Blogpost: „Ich glaube nicht, dass Powerposen tatsächlich Effekte haben.“ Mehrere Versuche, die Ergebnisse zu wiederholen, waren fehlgeschlagen. In ihrem Post zählt die Forscherin einige Schwächen dieser Studie auf, etwa die zu geringe Anzahl der Versuchspersonen, einen zu frühen Messzeitpunkt, die Fehlinterpretation eines Befunds. Sie räumt ein, dass sie einige dieser Defizite hätte früher erkennen können.

Die Forscherin hatte lange an ihre Vermutung geglaubt – bis die missglückten Wiederholungen ihr vor Augen führten, dass an der Idee wohl doch nichts dran ist. Dass eine scheinbar gute Idee sich als ungenügend herausstellt, passiert nicht nur in der Forschung, sondern überall und jedem von uns: Man übersieht etwas, vergisst etwas, was wichtig wäre, berücksichtigt bestimmte Fakten nicht oder bildet sich eine Meinung zu einem Thema, das man gar nicht einschätzen kann.

Der Berliner Flughafen in uns

Seit sich in der Wissenschaft abzeichnet, wie viele Hypothesen nur einmal bestätigt werden können und dann nicht mehr, heißt das Phänomen dort „Replikationskrise“. In Unternehmen und der Politik können Projekte scheitern, weil falsche Vorannahmen und...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 2/2020: Wer bin ich noch?
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