SUV: Wettrüsten auf der Straße

Überdimensionierte Geländewagen verstopfen die Straßen und gefährden Fußgänger. Was bringt immer mehr Autofahrer dazu, sich einen SUV zuzulegen?

Ein SUV fährt schnell auf der Straße an einer Grünanlage vorbei
Vor fünf Jahren noch hatte es den Anschein, als sei der große SUV-Boom vorbei, der Ende der neunziger Jahre aus den USA zu uns herübergeschwappt war. © Douglas Sacha/Getty Images

Esist wie bei den Dinosauriern – immer dicker, immer höher, immer breiter: Nach einer Prognose der Universität Duisburg-Essen könnten 2015 schon 22 Prozent aller neuzugelassenen Pkw in Deutschland SUVs sein, Sport Utility Vehicles, also sogenannte „Sportnutzfahrzeuge“. 2020 soll die Zahl auf ein Drittel anwachsen. Doch wird es bald nicht nur immer mehr SUVs oder Geländewagen geben – auch der Trend beim Normalauto geht zu immer dicker, immer breiter, immer bulliger. Inzwischen gibt es auch die normalen Autos in XXL. Ein Beispiel: Der Opel Mokka, ein sogenannter Mini-SUV, seit kurzem auf dem Markt, hat bereits knapp 180 000 Vorbestellungen – und fast jeder andere Automobilbauer hat heute Fahrzeuge im Sortiment, die wie aufgepumpt daherkommen. Was sagt der SUV-Boom aus über unseren Straßenverkehr, über Statusbedürfnisse, über unsere Gesellschaft?

Erhöhte innere Sicherheit, abnehmende äußere Sicherheit

Ökologisch ist das SUV-Syndrom ein Paradox. Die dicken Dinger sind Dreckschleudern mit einer verheerenden Energiebilanz. Sie verbrauchen sehr viel Kraftstoff, blasen, wie etwa der BMW X5, bis zu 325 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer in die Luft – und das ausgerechnet in Zeiten, in denen der peak oil längst überschritten ist, das Benzin knapp wird und schadstoffarme Autos das Gebot der Vernunft sind. Die Europäische Union hat daher längst alle Autohersteller verpflichtet, gewisse CO2-Grenzwerte einzuhalten – und die haben reagiert: Um dennoch die begehrten SUV-Klimakiller produzieren zu können, führen Autobauer immer auch extrem schadstoffarme Wagen im Sortiment, da sich die EU-Grenzwert-Richtlinie auf die gesamte Produktpalette an Fahrzeugen bezieht, die ein Autohersteller anbietet. Experten sagen, diese sogenannten super credits hätten nur noch eine Feigenblattfunktion für das umweltfreundliche Image vieler Autokonzerne, weil sie die Gesamtbilanz drücken und es den Herstellern erst ermöglichen, der großen Nachfrage an den umweltfeindlichen Großraumwagen gerecht zu werden.

Genauso paradox ist die Erscheinung, wenn es um die Verkehrssicherheit geht. Alles redet über mehr Sicherheit – mit immer mehr Geländewagen erhöht sich jedoch insgesamt die Gefahr im Straßenverkehr: für alle anderen Verkehrsteilnehmer. Zwar ist die individuelle Sicherheit für Insassen eines…

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