Ein Zufluchtsort der Fantasie

Menschen schauen sich seit jeher gerne wilde Tiere an. Dafür braucht es Gitter – was uns vielfältige Gefühle beschert. Über die Psychologie des Zoos.

Eine Tiger vor einer Holzwand im Zoo
Zoos verstehen sich heute als „Arche“ für bedrohte Arten. © Getty Images/Nicolae Sabin Costache/EyeEm.

Die Luft ist schwül. Vögel zwitschern unsichtbar im Dickicht. Ein Wasserfall rauscht. Ein Spalt zwischen zwei Felsen gibt den Blick auf eine Lichtung frei. Ein Schild informiert, dass in diesem Gehege ein Waran lebt. Doch wer ihn entdecken möchte, braucht Glück, Geduld und muss sich zwischen verschiedenen Glasscheiben hin- und herbewegen, um die ideale Perspektive zu finden.

In der Fachsprache der Zoodesigner werden solche Gehege Immersionsland­schaften genannt. Mithilfe von Szenografie und psychologischen Tricks wird dabei ein atmosphärisch dichter Raum erzeugt, der nicht mehr als ein Teil der menschlichen Architektur, sondern als eine fremde, den Tieren zugehörige Welt erscheint. Für die Besucherinnen und Besucher simulieren die Anlagen einen Spaziergang durch die freie, „unberührte“ Natur beziehungsweise unsere Vorstellung davon.

Die Dramaturgie des Spaziergangs beruft sich einerseits auf die Wege und malerischen Ausblicke des englischen Landschaftsgartens, andererseits ahmt sie die fragmentarische Schnitttechnik des Films nach: Die Besucherwege sind im Zickzack angelegt, und das Blickfeld wird gezielt versperrt, so dass man nie eine vollständige Übersicht über die Anlage hat.

Wohlige Gänsehaut

Anders als beispielsweise in den Bärengräben des 19. Jahrhunderts sitzt das Tier nicht mehr auf dem Präsentierteller. Stattdessen soll es von oben auf die Besucherinnen und Besucher herabschauen oder kann sich im verwinkelten Gehege verbergen. Diese dominante…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 4/2022: Das Leben leicht machen
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