Scheiße nochmal, was flucht ihr denn ständig?

80 bis 90 Mal pro Tag verwenden wir Begriffe, die sich nicht gehören. Warum sind diese Wörter tabu? Warum sagen wir sie trotzdem?

Die Illustration zeigt zwei Nachbarn am Zaun, die streiten und sich Gemeinheiten an den Kopf werfen
Nirgendwo wird so oft geflucht wie beim Sport. © Dorothea Huber

Es gibt für alles einen Begriff, den auch Kinder ­hören dürfen. Die Ärztin bittet uns um eine „Stuhlprobe“. Junge Paare schwärmen, wie schön es ist, „Liebe zu machen“. Biologiebücher sprechen von den „primären Geschlechtsorganen“. Man belegt einen ungeliebten Kollegen mit dem „Götzzitat“. Man spricht von „Afroamerikanerinnen“ und „Homosexuellen“. All das sind erlaubte Bezeichnungen, die kein Verbot umweht.

Zwanglos jedoch fallen uns zu alldem Synonyme ein, Begriffe also, die genau dasselbe meinen, jedoch nur selten ­öffentliche Verwendung finden. Flüche, Schimpfwörter und Beleidigungen – in der Wissenschaft läuft das unter dem Sammelbegriff „Tabuwörter“. Die Forschung hat sich der morastigen Niederungen unserer Sprache mit erstaunlichem Eifer angenommen – und mit kaum verhohlener Freude. Genüsslich werden da verbotene Begriffe entweder aufgeregt umtänzelt oder brutalstmöglich zitiert.

Das gilt auch für den amerikanischen Kognitionswissenschaftler Benjamin Bergen, der in seinem Standardwerk What the F der Frage nachgeht, woher all die Tabuwörter eigentlich kommen. Seine Antwort: Sie stammen aus genau vier Themengebieten, nämlich aus dem Heiligen, dem Sexuellen, aus dem Feld der Körperfunktionen und aus jenem der oft rassistischen oder homophob aufgeladenen persönlichen Beschimpfung.

Rudi Völler und die Wut

Völlig verboten sind Tabuwörter natürlich nicht. In der Kneipe oder auf dem Fußballplatz kümmert sich keiner darum, wenn man „Kacke“ sagt. Tatsächlich zeigen Untersuchungen, dass nirgendwo so oft geflucht wird wie beim Sport. In der Kirche, im Parlament und…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 6/2022: Die Zeit, als alles neu war
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