Im Fokus: Political Correctness

Schaumküsse und Gendersternchen: Soziologin Nina Degele erklärt im Interview, wieso politisch korrekte Sprache zu einer gerechten Gesellschaft führt.

Ein älterer Mann mit Coronamaske sitzt an einer Bahnstation, die Mohrenstraße heißt, während hinter ihm eine Bahn vorbeifährt
Foto: Hannibal Hanschke/dpa © Hannibal Hanschke/dpa

Frau Degele, die Political Correctness befindet sich in einem Dilemma: Die Befürworter wollen damit Gleichheit und Gerechtigkeit erreichen, die Gegner klagen über Zensur und Meinungsdiktatur. Wie kann es sein, dass das eigentlich Gute so viel Konfliktpotenzial birgt?

Politische Korrektheit steht für die eigentlich selbstverständliche Forderung nach Anerkennung von Minderheiten und ausgegrenzten Gruppen, weil sie eine solche Anerkennung bislang nicht erfahren haben. Zum Konflikt kommt es, weil diese Forderungen bei der Mehr­heitsgesellschaft oft eine Angst davor auslösen, eigene Privilegien zu verlieren. Es wird so empfunden, als wolle jemand Sonderrechte für sich und schlimmer noch: meine Rechte einschränken. Dabei handelt es sich bei diesen in Wahrheit ja um Vorrechte. Das ist deshalb herausfordernd, weil den Personen ihre Privilegien oft gar nicht bewusst sind. Es war schließlich immer so, demnach muss es normal sein. Wenn Selbstverständlichkeiten hinterfragt werden, setzt oft ein Verteidigungsreflex ein.

Ob gleichgeschlechtliche Ehe oder Antidiskriminierungsgesetz: Auf rechtlicher Ebene hat sich bereits einiges zur Anerkennung von Minderheiten getan. Emotional und hitzig wird es aber immer noch, wenn es um Sprache geht. Der Vorwurf lautet dann, man dürfe gar nichts mehr sagen.

Das ist tatsächlich die typische Ohrfeige gegen Political Correctness. Es soll da eine Elite geben, die irgendwie die Meinungsfreiheit eingrenzt. Das ist natürlich Quatsch, denn selbstverständlich dürfen weiterhin alle ihre Meinung sagen. In dem Vorwurf steckt vielmehr der Anspruch, die…

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