White Privilege

​Weißsein gilt immer noch als gesellschaftliche Norm – und bringt viele Vorteile mit sich. Über verborgene Privilegien und versteckten Rassismus. ​

Die Zeichnung zeigt eine weiße, privilegierte und eine dunkelblaue Figur.
Weißsein ist noch immer ein Privileg, auch wenn es viele Weiße nicht wahrhaben wollen. © Richard Klippfeld

Der Journalist und Buchautor Mohamed Amjahid ist marokkanischer Staatsbürger, lebt in Berlin und hat in Deutschland studiert. Er schreibt auf Deutsch für deutsche Medien. 2015 fuhr er zum Münchner Hauptbahnhof, um nach der Ankunft von Geflüchteten über die deutsche Willkommenskultur zu berichten. Dort begegnete Amjahid einer Helferin, die er fragen wollte, warum sie helfe. Doch bevor er zu Wort kam, bedeutete sie ihm mit einer Handbewegung, er solle kurz warten.

Sogleich holte sie aus ihrer Umhängetasche eine kleine Seife in einer blauen Plastikverpackung heraus und hielt sie ihm vor die Nase: „Soaaap is goood“, erklärte sie dem Journalisten aus Berlin, der sich darauf als solcher vorstellte und die Seife dankend ablehnte. Kurz darauf traf Amjahid auf eine andere Helferin, die auf seine auf Deutsch gestellten Fragen in einer Art „Pidgin-Englisch“ antwortete und ihm ein Käsebrötchen hinhielt. Amjahid schreibt, er sei in München zum Geflüchteten geworden, weil „ich so aussehe, wie ich aussehe“.

In seinem Buch Unter Weißen, in dem Amjahid diese Szene schildert, kommt er zu dem Schluss, dass diesem Verhalten eine häufige Sichtweise zugrunde liege: Nichtweißen müsse man die Welt erklären und ihnen unter die Arme greifen. Im Kern heißt das: Weiße scheinen sich noch immer Menschen mit anderer Hautfarbe überlegen zu fühlen. Was ist da los? Denken viele tatsächlich so herablassend, wie es das sicherlich gut gemeinte Verhalten dieser Helferinnen nahelegt?

Verborgener Rassismus

Sozialwissenschaftler und Psychologen beschäftigen sich seit ein paar Jahren verstärkt mit dieser Frage und kommen zu dem Schluss, dass es wohl so ist. Anscheinend reicht es nicht, offenen Rassismus zu thematisieren, es gibt auch einen verborgenen. Im Zentrum...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 12/2019: Räume der Seele
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