Grenzen der Achtsamkeit

Achtsamkeit hilft gegen Stress. Aber Achtsamkeitstherapien gegen psychische Störungen richten nur wenig aus, dies zeigten Studien

Achtsamkeitstherapien richten gegen häufige psychische Störungen offenbar wenig aus. Zu diesem Schluss kommt ein Team um den Psychotherapieforscher Lars-­Göran Öst von der Universität Stockholm.

Die Behandlungen basieren auf einer buddhistischen Meditationstechnik. Es gilt, sich ganz auf den Augenblick zu konzentrieren, seine Gedanken, Gefühle und Empfindungen bewusst wahrzunehmen, ohne sie zu bewerten. Auf diesem Grundprinzip fußen verschiedene Therapieformen, etwa die von Jon Kabat-Zinn entwickelte achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (MBSR). Achtsamkeitstherapien können nachweislich Stressempfindungen reduzieren und Rückfälle nach Depres­sionen vermeiden helfen. Doch nachdem sie groß in Mode gekommen sind, werden sie zunehmend auch zur Behandlung akuter psychischer Störungen empfohlen. Zu Recht?

Bescheidene Ergebnisse

Öst fand 19 Studien zu dieser Frage, an denen insgesamt knapp 1300 Patienten teilgenommen hatten. Ihre Ergebnisse fallen insgesamt sehr bescheiden aus. Behandelten Patienten geht es hinterher im Schnitt zwar besser als solchen, die keine Behandlung bekommen haben, etwa weil sie erst einmal auf eine Warteliste gesetzt wurden. Doch wirkungslose Placebopillen und psychologische Pseudotherapien müssen sich den Achtsamkeitsbehandlungen nur selten geschlagen geben. Außerdem gilt: Je hochwertiger die Studie, desto schlechter die Ergebnisse der Achtsamkeitstherapie.

Lediglich in einer Studie zur Hypochondrie, die alle Qualitätsanforderungen erfüllte, schnitt die Achtsamkeitstherapie gut ab. Doch hier fehlen weitere Studien, die dies bestätigen. Keine Nachweise für die Wirksamkeit einer Achtsamkeitstherapie sehen die Autoren bei anderen Störungen: Depression, generalisierter Angst­störung, posttraumatischer Belastungsstörung, Panikstörung oder Insomnie. Öst empfiehlt bei diesen Leiden gut abgesicherte Behandlungen wie die kognitive Verhaltenstherapie.

DOI: 10.1017/S0033291718000259

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 3/2019: Die Kunst des Aufgebens
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