Überleben nach dem Trauma

Rezension des Buches „Der lange Weg zurück“ von Max Mehrick.

Der lange Weg zurück ist die Autobiografie eines von seelischer, körperlicher und sexualisierter Gewalt betroffenen Menschen – und es ist mehr als das: Max Mehrick erzählt nicht nur, er erklärt und analysiert komplexe Vorgänge in der Psyche des verletzten Kindes und Heranwachsenden. In klaren Worten beschreibt er die unsichtbaren Mechanismen eines schwer traumatisierten Menschen. Mehrick macht nachvollziehbar, wie seine Erinnerungen an das erlittene Trauma zu vernichtender Selbstverachtung führten und wie er versuchte, diese mithilfe von Alkohol und Drogen zu vermeiden. Der Gedanke an Suizid wurde im Sinne einer letzten „Exitstrategie“ zum „Angstnehmer“ und zum „letzten Tröster“. Aus der Sicht des von seinen Bezugspersonen (und gleichzeitig Tätern) abhängigen Kindes schildert Mehrick das eigene Dilemma, die Erlebnisse, Wahrnehmungen und Gefühle mit der Realität in Einklang bringen zu müssen. Als Bewältigungsstrategie diente die fatale Schlussfolgerung des „Ich bin schuld“. So wird diese Autobiografie auch zum Lehrbuch über die zerstörerischen Auswirkungen sexualisierter Gewalt. Der lange Weg zurück gibt zudem Aufschluss über Täterstrategien: von der Erzeugung und Erhaltung des Schuldgefühls über die Täter-Opfer-Umkehr bis zu der Manipulation der Wahrnehmung des Opfers. Das zentrale Überlebensmotiv und Ziel Mehricks, nämlich das Überwinden der Ohnmacht und die Zurückeroberung der eigenen Würde, scheint mit diesem Buch erreicht. Er entblößt sich darin, dieses entscheidende Mal, nun aber durch eigene Wahl und in eigener Kontrolle. Und damit ist sein Buch vor allem ein berührendes Zeugnis kaum fassbarer Resilienz.

Max Mehrick: Der lange Weg zurück. Das verlorene Leben. Asanger, Kröning 2018, 197 S., € 24,50

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