Das Klischee der Heulsuse

Psychologie nach Zahlen: 4 Gründe, warum Schmerzen bei Frauen noch immer nicht ernst genug genommen werden.

Die Illustration zeigt eine Frau weinend und vor Schmerz krümmend auf einer Krankenliege, dahinter steht eine Jury aus drei Personen, die Noten hochhalten.
Frauen warten länger in der Notaufnahme und bekommen häufiger eine psychologische Behandlung als eine mit Schmerzmitteln empfohlen. © Till Hafenbrak

Wenn man einen Arzt, eine Ärztin wegen Schmerzen aufsucht, will man für voll genommen werden. Das ist jedoch bei weiblichen Patienten leider nicht immer der Fall. Der Schmerz von Frauen wird von Ärzten, ja selbst von Ärztinnen und vom medizinischen Personal häufig unterschätzt. Und das hat ganz konkrete Folgen für die Behandlung: Frauen warten länger in der Notaufnahme, und in der Praxis wird ihnen eher eine psychologische als eine Behandlung mit Schmerzmitteln empfohlen. Schuld daran sind Geschlechterstereotype wie diese:

1 Auskunftsfreude

In einer Studie präsentierte ein Team um den amerikanischen Psychologen Tor Wager den weiblichen und männlichen Teilnehmenden kurze Videoclips von echten Patienten und Patientinnen mit Schulterschmerzen, die sich peinvollen Untersuchungen un­terzogen. Die Beurteilenden sahen sich eine Auswahl dieser Videos an und schätzten den Schmerz der gezeigten Person auf einer Skala ein.

Verglichen mit der eigenen Einschätzung der Patientinnen und Patienten unterschätzten die Probanden und auch die Probandinnen durchweg die Schmerzen von Frauen und überschätzten die von Männern. Selbst wenn die Frauen und Männer in ihrem Gesichtsausdruck genau das gleiche Ausmaß an Qualen offenbarten und von gleich heftigen Torturen berichteten, wurde den Frauen ein geringeres Maß an Schmerzen zugeschrieben.

Ein zusätzliches Experiment zeigte: Geschlechterklischees waren schuld daran. Denn wer glaubte, dass Frauen eher als Männer bereit seien, von ihren Schmerzen zu berichten, unterschätzte ihre reale Qual besonders stark. Für je auskunftsfreudiger bei dem Thema Schmerz die Versuchspersonen…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 10/2021: Zeit finden
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