Das letzte Bild vorm Anschlag

Anke Ehlers entwickelt Verfahren, die sich mit traumatisierende Erfahrungen auseinandersetzen und den Patienten eine Rückkehr ins Leben ermöglichen.

Eine Frau sitzt den Kopf auf die Hände gestützt da und wird verfolgt von dem letzten Bild vor der Katastrophe, die ihr Leben prägt und weshalb sie traumatisiert ist
Viele werden in (Tag-)Träumen von den furchtbaren Bildern des Erlebten heimgesucht – Psychotherapie hilft. © Rafa Elias/Getty Images

Psychologie Heute Frau Professor Ehlers, können Sie sich an den 7. Juli 2005 erinnern?

Anke EHLERS Selbstverständlich! Das war ein schwarzer Tag, ein traumatischer Schlag für ganz Großbritannien.

PH In London, mitten im morgendlichen Berufsverkehr, zündeten damals islamistische Terroristen, vermutlich Selbstmordattentäter, vier Bomben. In Bahnhöfen, in der U-Bahn, in einem Bus. 56 Menschen wurden getötet, 775 verletzt, viele von ihnen schrecklich verstümmelt. Glauben Sie, dass das Land heute, fast zehn Jahre nach dem Anschlag, über das Trauma hinweggekommen ist?

EHLERS Ich glaube, die Erinnerung an eine solche Tat wird sich nie ganz tilgen lassen. Sie bestimmt das Klima im Land, das allgemeine Gefühl von Sicherheit, Planbarkeit und Kontrolle; sie beeinflusst Entscheidungen der Politik. Denken Sie auch an die Terroranschläge vom 11. September 2001 in New York, deren Erschütterungen bis heute das Lebensgefühl und das politische Handeln in der ganzen Welt beeinflussen. Was mich in meinem Beruf als Psychotherapeutin und Psychotherapieforscherin aber vor allem interessiert, sind die Auswirkungen solcher Ereignisse – oder allgemein: die Auswirkungen traumatischer Ereignisse – auf den Einzelnen in seinem sozialen Umfeld.

PH Niemand weiß, wie viele Menschen von dem Attentat in London mittelbar betroffen waren – als Augenzeugen des schrecklichen Geschehens etwa oder als Angehörige von Menschen, die Leben oder Gesundheit verloren haben. Viele kamen zur Behandlung ihrer Traumata zu Ihnen ins Maudsley Hospital im…

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