Sich selbst beruhigen

In turbulenten Zeiten ist es besonders hilfreich zu lernen, wie man sich selbst beruhigen kann, sagt der Psychosomatiker Thomas Loew im Interview.

Die Illustration zeigt einen Mann, der frische Luft atmet
Über die Atmung haben wir Einfluss auf das vegetative Nervensystem – und damit auf unsere Gesundheit. © Orlando Hoetzel

Welchen Stellenwert hat das Atmen in Ihrer psychosomatischen Klinik?

Eine entschleunigte Atmung ist das Basistherapeutikum in der Psychosomatik! Daher ist das die erste Maßnahme, die die Patientinnen und Patienten bei uns kennenlernen. Sie sind beim tiefen Ein- und Ausatmen an ein Biofeedback-Gerät angeschlossen und können sehen, was sich in ihrem Körper verändert: Der Blutdruck sinkt, das Herz schlägt langsamer, die Muskeln entspannen sich, sie sondern weniger Schweiß ab. So wird ihnen deutlich, dass Atmen ein physiologisch absolut wirksames Prinzip ist. Sie machen die Erfahrung, dass sie sich damit selbst regulieren und psychosomatische Symptome in den Griff bekommen können.

Die Effekte von Meditation und einigen Entspannungsverfahren sind gut untersucht. Wie sieht die Studienlage zum Atmen aus?

Mit über 170 einigermaßen vernünftigen Studien gibt es eine handfeste wissenschaftliche Basis. Besonders gut sieht die Studienlage bei einem leichten Bluthochdruck aus: Zweimal am Tag zehn Minuten bewusst atmen wirkt so gut wie ein Medikament. Eigentlich sollte das entschleunigte Atmen in die Leitlinien mit aufgenommen werden, aber daran lässt sich eben nicht verdienen. Langsames Atmen verbessert außerdem nachweislich die Herzleistung. Es ist zudem gut belegt, dass eine tiefe Bauchatmung bei Asthmapatienten einen günstigen Effekt hat auf die Lebensqualität und psychische Verfassung.

Und wie sehen die Effekte bei psychischen Problemen aus?

Für Angststörungen und Panikattacken gibt es gute Belege – meist haben Angst- und Panikpatienten eine zu hohe Atemfrequenz. Atemarbeit hilft auch beim Umgang mit Schmerzen, denn je aktiver der beruhigende Teil des vegetativen…

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