Bloß keinen Streit!

Manche Menschen können ihren Ärger nicht ausdrücken. Solche Aggressionshemmungen fördern depressive Symptome, wie eine Studie zeigt.

Eine mangelnde Fähigkeit, eigenen Ärger auszudrücken und sich zu behaupten, und die Neigung, Konflikten ganz grundsätzlich aus dem Weg zu gehen, fördern offenbar depressive Symptome, schreiben die Psychologin Anett Müller-Alcazar und ihr Kollege Reinhard Maß in einer Studie.

Sie entwickelten und testeten eine Skala, die „Aggressionshemmungen“ erfasst. Es zeigte sich: Je deutlicher die Befragten Aussagen wie „Man sollte Streit immer vermeiden“ oder „Ich leide darunter, dass ich meinen Ärger nicht ausdrücken kann“ zustimmten, desto depressiver waren sie und desto unzufriedener mit ihrem Leben.

Die Autorin und der Autor schreiben, dass das Konzept der Aggressionshemmung Überlappungen zu einem Mangel an assertiveness – also der Fähigkeit, sich zu behaupten und zugleich andere zu respektieren – aufweise. Die neu entwickelte Skala zeige zusätzlich: Die Hemmung, Aggressionen konstruktiv auszudrücken, könnte ein Hinweis auf eine emotionale Störung sein.

Quelle

Reinhard Maß, Anett Müller-Alcazar: Hemmung konstruktiver Aggression. Konzept, Operationalisierung und klinische Implikationen. Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie, 2023. DOI: 10.1026/1616-3443/a000727

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 4/2024: Meine perfekt versteckte Depression
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