„Hochsensibilität ist keine psychische Störung, sondern ein besonderes Temperament“

Die Psychologin Sandra Konrad forscht an der Helmut-Schmidt-Universität  Universität der Bundeswehr Hamburg zum Thema Hochsensibilität. Wie schätzt sie das Phänomen ein?

„Hochsensibilität ist keine psychische Störung, sondern ein besonderes Temperament“

Die Psychologin Sandra Konrad forscht an der Helmut-Schmidt-Universität  Universität der Bundeswehr Hamburg zum Thema Hochsensibilität. Wie schätzt sie das Phänomen ein?

Frau Konrad, was verstehen Sie unter Hochsensibilität? Ist Hochsensibilität eine neurologische Störung oder eher ein Persönlichkeitsmerkmal?

Zunächst einmal: Hochsensibilität ist keine psychische Störung und erst recht keine Krankheit, es handelt sich lediglich um eine Besonderheit der Reizverarbeitung. Das bedeutet aber nicht, dass Hochsensible immer seelisch gesund sind: Genau wie andere Menschen können auch Hochsensible psychisch erkranken. Hochsensibilität und eine seelische Krankheit können also zusammen auftreten.

Der Begriff Persönlichkeitsmerkmal scheint mir in diesem Zusammenhang nicht ganz präzise, weil zu weit gefasst. Nach der Lehrmeinung wird die Persönlichkeit eines Menschen sowohl vom Temperament als auch von der Umwelt und seinen Erfahrungen geprägt. Zu den Umwelteinflüssen zählen wir Lebensereignisse, soziale Unterstützung, elterliches Erziehungsverhalten und chronische Umweltbedingungen. Ich schätze die Hochsensibilität, wie Elaine N. Aron auch, eher als Teil des Temperaments ein: Darunter verstehen Psychologen die konstitutionsgebundenen Eigenschaften eines Menschen, die sich aus genetischen und pränatalen Faktoren zusammensetzen. Das Temperament bestimmt unter anderem unseren Umgang mit Gefühlen, die Stärke des Antriebs, die Kontrollfähigkeit. Das Temperament ist also bereits in unseren Anlagen angelegt. Und es handelt sich um einen sehr stabilen Ausdruck unserer Persönlichkeit: Es zeigt sich in allen Lebenssituationen in ähnlicher Weise und bleibt im Laufe unseres Lebens eher beständig. Allerdings muss ich hier anmerken: Mit zunehmendem Alter nimmt auch die Sensibilität eines Menschen zu.

Wie kommt die höhere Reizempfindlichkeit der Hochsensiblen genau zustande?

Leider existiert bislang keine anerkannte neurophysiologische Theorie, welche die Ursache der Hochsensibilität beschreibt. Wir gehen derzeit von einer speziellen genetisch bedingten Konstitution der reizverarbeitenden...

Den kompletten Artikel können Sie bei uns kaufen oder freischalten.

file_download print

News

Beziehung
Wir können Liebesgefühle bewusst verstärken oder abschwächen, so das Ergebnis einer neuen Studie. Ist das hilfreich bei unfreiwilligen Trennungen?
Leben
Ein angeschlagenes Selbstwertgefühl ist nicht schön, hat aber den Vorteil, dass wir dann mit unserem Geld vorsichtiger umgehen.
Gesundheit
Je mehr der Mensch verzeiht, desto gesünder ist er. Zu diesem Fazit kommen Forscher nach der Auswertung von 128 Studien mit 58.000 Probanden.