Willensschwach im Netz

Wer Probleme mit der Selbstkontrolle hat, wird häufiger Opfer krimineller Internetattacken.

Leute mit mangelnder Selbstkontrolle sind öfter in Verbrechen verstrickt als Menschen, die sich besser im Zaum halten. Aber auch umgekehrt wird ein Schuh draus, wie der US-amerikanische Kriminologe Thomas J. Holt und seine Kollegen aus den Niederlanden berichten. Ihre Studie zeigt: Wer Probleme mit der Selbstkontrolle hat, wird im Schnitt vermutlich öfter als andere Opfer krimineller Internetattacken. Es sind diejenigen, die impulsiv in Onlineläden shoppen, täglich dutzende E-Mails rausfeuern, häufig auf Datingsites unterwegs sind oder in großem Umfang Musik und Filme aus dem Netz auf den Rechner laden.

Das Internet steckt voller Objekte der Begierde, an die Menschen sofort herankommen können. Das führe gerade Leute mit geringerer Selbstkontrolle in stete Versuchung und öfter auch auf halbseidene Seiten, die mit Viren infiziert sein können. Cyberkriminalität zu bekämpfen, bemerken die Forscher, habe deshalb auch eine psychologische Seite.

Riskante Aktivitäten im Netz

Die Wissenschaftler nutzten Daten einer monatlichen repräsentativen Onlinebefragung der Universität Tilburg in den Niederlanden – in diesem Fall mit fast 5700 Teilnehmern ab 16 Jahren. Die Probanden gaben dabei unter anderem Auskunft über ihre Aktivitäten im Netz und wie oft ihre Computer mit Malware infiziert worden waren, ob und wie sie auf Verdachtsmomente eines Befalls reagiert hatten – wie etwa verlangsamte Rechnergeschwindigkeit, Abstürze oder plötzliche Pop-ups.

Außerdem beantworteten die Probanden Fragen, mit denen sich auf ihre Selbstkontrolle rückschließen ließ, beispielsweise über ihren Hang zu kurzsichtigen Entscheidungen, zu fahrlässigem Verhalten und über ihre Neigung, Dinge augenblicklich haben zu wollen. Ergebnis: Probanden mit mangelnder Disziplin surften öfter und länger, peilten häufiger riskante Seiten an und schützten ihre Rechner schlechter gegen Viren und Trojaner.

Thomas J. Holt u. a.: Testing an integrated self-control and routine activities framework to examine malware infection ­victimization. Social Science Computer Review, 2018. DOI: 10.1177/0894439318805067

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 4/2019: Die Kraft des Atmens
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