Mit Neugier gegen Trübsal

Unsere Neugier ist mit unserer Grundstimmung verbunden. Was bedeutet es also, wenn wir einen schlechten Tag haben?

Neugier ist ein belebender Zustand. Man spürt Wissensdurst und Energie, ist begierig darauf, den Horizont zu erweitern, hat das Gefühl, mit offenen Armen auf die Welt zuzugehen. Und man ist bereit, sich mit Neuem, Komplexem, Herausforderndem auseinanderzusetzen. Doch die Bereitschaft zur Neugier schwankt, wir können und wollen nicht immer im gleichen Maße weltzugewandt sein.

Manchmal sind wir erschöpft oder betrübt, und dann machen wir die Schotten dicht und wenden uns eine Zeit lang nach innen statt außen. Ein Forschungsteam aus Philadelphia und Washington um David Lydon-Staley ist jetzt diesen Schwankungen der Neugier nachgegangen – und wie sie mit dem Gemütszustand zusammenwirken.

167 überwiegend weibliche Teilnehmer im Alter zwischen 18 und 65 Jahren führten drei Wochen lang jeden Abend ein Online-Tagebuch. Dort notierten sie, wie neugierig sie sich an diesem Tag gefühlt hatten, zum Beispiel anhand von Aussagen wie: „Überall, wo ich heute hinkam, hielt ich nach neuen Dingen oder Erfahrungen Ausschau.“ Ferner protokollierten sie, wie es um ihre Stimmungslage bestellt war und wie viel sie sich bewegt hatten.

Mit Bewegung neugieriger

Wie sich herausstellte, waren die Probandinnen an Tagen, an denen es ihnen an Neugier mangelte, öfter auch gedrückter, depressiver Stimmung. Dies steht in Einklang mit einer These der Psychologin Barbara Fredrickson, wonach wir, sobald wir niedergeschlagen sind, unseren Fokus verengen und auf unsere momentane Situation richten, statt in die Welt auszugreifen.

Eine Vermittlerrolle scheint dabei körperliche Bewegung zu spielen, wie die neue Tagebuchstudie auch zeigte: Waren die Teilnehmerinnen spazieren, joggen oder schwimmen, hatten sie Yoga oder einen anderen Sport betrieben, so erhöhte dies die Wahrscheinlichkeit, dass sie an diesem Tag erstens guter Stimmung und zweitens neugierig waren.

Außerdem machten die Forscher eine überraschende Entdeckung: Ob eine Person zu Depressionen neigte, hing weniger stark von ihrer generellen Neugier ab als von der Stabilität dieser Haltung: Wer kontinuierlich das gleiche Quantum Neugier aufbrachte, war prinzipiell eher gut drauf. Depressionsanfälliger waren jene, deren Neugier von Tag zu Tag stark schwankte. Diese Menschen sind an schlechten Tagen womöglich nicht so sehr in der Lage, den Blick nach draußen, auf die Welt und auf andere Menschen zu richten – und damit entgeht ihnen die Chance, mit dieser Öffnung ihr Gemüt etwas aufzuhellen.

DOI: 10.1111/jopy.12515

Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 3/2020: Ruhe im Kopf
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