Im Schmöker-Flow

Beim Lesen entspannen wir uns. Und zwar auch dann, wenn wir die Lektüre eigentlich zu schwierig finden, wie ein Experiment zeigt.

Wenn wir lesen, können wir einen regelrechten Flow erleben, ganz in der Geschichte versinken – auch bei schwierigen Texten. Das fanden Forschende heraus, die 84 Frauen und Männer im Alter von 19 bis 73 Jahren ins Labor eingeladen hatten. Diese lasen zu Versuchszwecken ein Kapitel aus Homers Odyssee, während ihre Herzaktivitäten gemessen wurden.

Die Leserinnen und Leser wurden zunächst gefragt, wie häufig und gerne sie generell Literatur läsen. Sie nahmen in einem Sessel in einem gemütlich eingerichteten Raum Platz und wurden an das EKG angeschlossen. Jede Person las dann dasselbe Kapitel aus der Odyssee, jedoch in drei unterschiedlich schwierigen Übersetzungen. Danach füllten alle noch einen Fragebogen aus, ob ihnen das Lesen Vergnügen bereitet habe und ob sie den Text als schwierig empfunden hätten.

Unabhängig von der Komplexität ihres Textes berichteten die Teilnehmenden, dass sie in die Lektüre versunken gewesen seien und das Lesen als angenehm und entspannend empfunden hätten, was sich bei der EKG-Messung bestätigte. Daraus schließen die Forscherinnen und Forscher, dass nicht die Leichtigkeit des Lesens, sondern vor allem das Interesse und die früheren Leseerfahrungen der Teilnehmenden dafür sorgten, dass sie den Flow erlebten.

Susanne Ackermann

Artikel zum Thema
Leben
Bei manchen Büchern tauchen wir beim Lesen völlig ab. Bei anderen gelingt das nicht. Warum? Und: Gibt es Persönlichkeiten, die leichter Flow erleben?
Gesellschaft
Kinder und Erwachsene verbringen weniger Zeit mit Büchern. Der Abschied vom klassischen Lesen verändert unsere Art zu denken – und hat womöglich Folgen für…
Leben
Kunst als meine tägliche Erdung? Schriftsteller Steffen Kopetzky über das Weltentrückte von Literatur und Künsten – und wieso wir sie gerade deshalb dringend…
Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute Compact 75: Selbstfürsorge
Anzeige
Anzeige