Seelische Last: Wenn Arbeit krank macht

Dossier Beruf & Leben: Psychische Probleme am Arbeitsplatz nehmen zu. Doch Psychotherapie spielt dort kaum eine Rolle. Zögerlich beginnt ein Umdenken.

Die Illustration zeigt eine Frau, die erschöpft und krank in einem Hamsterrad liegt
Viele Jahre lang läuft es sich geräuschlos im Hamsterrad – dann kommt der Zusammenbruch. © Julia Schwarz

Mehr als dreißig Jahre hat die 52-jährige Susanne Müller (Name geändert) als Sachbearbeiterin in einer großen Firma gearbeitet. Doch jetzt kann sie nicht mehr. Seit einem halben Jahr ist sie arbeitsunfähig. Zuvor fiel ein Kollege aus und sie bekam deshalb viel zusätzliche Arbeit auf den Tisch. Müller hat versucht, es „trotzdem irgendwie zu schaffen“. Sie machte Überstunden und kaum noch Pausen. Auch in der Freizeit ließ die Arbeit sie nicht mehr los. Schließlich begab sie sich in psychotherapeutische Behandlung. Diagnose: Depression.

Wie ihr geht es vielen Beschäftigten. Die Bundesregierung schätzt die Zahl der Fehltage durch psychische Erkrankungen für 2017 auf 107 Millionen. Das sind mehr als doppelt so viele wie zehn Jahre zuvor.

Doch warum ist die Zahl der Krankschreibungen mit psychischen Störungen stark gestiegen? Und was lässt sich tun, damit es nicht so weit kommt?

Natürlich ist an den psychisch bedingten Ausfällen längst nicht immer nur die Arbeit schuld. Trotzdem ist bekannt, dass belastende Arbeitsbedingungen krank machen können. Die Folgekosten davon veranschlagt eine Studie für Deutschland mit knapp 29 Milliarden Euro jährlich – 10 Milliarden für Behandlung und Rehabilitation, 19 Milliarden durch verlorene Arbeitszeit, weil die Betroffenen krankgeschrieben, frühverrentet oder vorzeitig gestorben sind.

Annähernd jeder zweite Beschäftigte klagt darüber, dass er verschiedene Aufgaben gleichzeitig betreuen muss, unter einem starken Termindruck steht oder andauernd bei der Arbeit unterbrochen wird. Wie die regelmäßigen Befragungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 10/2019: Passiv-Aggressiv
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