Was Macht macht

Die Möglichkeit, über andere zu entscheiden, verändert uns. Psychologen haben untersucht, in welcher Weise.

Die Illustration zeigt einen Mann, der auf einer Treppe aus Menschen hinaufsteigt
Auf den Weg nach oben verändern wir uns. © Joni Majer

Hierarchie, da denken viele an das Militär. Dabei gibt es fast überall Rangordnungen – in Firmen, Vereinen, Schulklassen, Verwaltungen, Sportteams, Familien. Sozial­psychologische Forschungen zeigen: Gruppen, in denen es zuerst keine Hierarchien gibt, bilden sofort von allein welche. Das schreiben die Psychologinnen Emily Zitek und Taylor Phillips in einem Themenspecial der Zeitschrift Current Opinion in Psychology. Schon sehr kleine Kinder verstehen Hierarchien auf Anhieb und wissen, wer etwas zu sagen hat und wer nicht.

Die Autorinnen kommen in ihrem Text zu dem Schluss: Wir alle haben eine Art eingebautes „Hierarchometer“, das wir in jeder sozialen Situation einschalten. Es zeigt uns an, welchen Rang wir im Vergleich zu anderen haben – ob es um unsere Stellung im Team geht, darum, wie wir abschneiden in der „Attraktivitätshierarchie“ unter Freunden oder ob wir gerade in unserer Beziehung zu sehr oder zu wenig dominant sind. Indem wir das einschätzen können, bekommen wir ein Gefühl von Kontrolle. Forschungen legen außerdem nahe: Je höher Menschen in einer Hierarchie angesiedelt sind, desto mehr versuchen sie, diesen Platz zu behalten.

Vorgesetzte legen die Ziele für das Team fest, Eltern entscheiden, in welche Schule ihre Kinder gehen, Fußballtrainer geben die Spieltaktik vor. Was macht diese Macht mit uns? Klar ist zum einen: Sie ist situativ und relativ. Vorgesetzte haben zwar Entscheidungsbefugnisse, aber in einem begrenzten Umfang. Mütter entscheiden zwar zunächst ein paar Jahre lang über ihre Kinder – aber nur so lange, bis die das nach und nach selbst übernehmen. Fußballtrainer sind nur erfolgreich, wenn sie Entscheidungen anpassen und die Bedürfnisse der Spieler berücksichtigen können. Psychologisch gesehen passiert aber einiges, wenn wir Einfluss haben: Es prägt unsere Gefühle und die Art, wie wir sie ausdrücken, und vergrößert die soziale Distanz zwischen Menschen.

Es fühlt sich gut an

Macht zu haben fühlt sich gut an, wie psychologische Forschungen zeigen. In einem Experiment erhielten die Teilnehmer in einem Fall Kontrolle über Ressourcen und im anderen nicht. Diejenigen, die Ressourcen verteilen durften, berichteten anschließend von...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 11/2020: ​Toxische Beziehung
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