Achtsamkeit richtig dosieren

Eine starke Fokussierung auf sich selbst hat auch Nachteile.

Viel hilft viel, das mag für Sonnencremes gelten, aber offenbar nicht für das Trendphänomen der vergangenen Jahre, die Achtsamkeit. Vielmehr kann zu häufiges oder zu lange andauerndes Training negative Effekte nach sich ziehen. Zu diesem Schluss kommt die Psychologin Willoughby B. Britton, die Forschungsergebnisse über die verschiedenen Auswirkungen von Achtsamkeitstrainings auf Seele und Körper auswertete.

Zu viel Achtsamkeit führe womöglich zu einer zu starken Fokussierung auf sich selbst, was wiederum Angst oder eine Neigung zu Depressionen zur Folge haben könnte, sogar bis hin zum Substanzmissbrauch. Achtsamkeitsmeditation verbessere zwar das Körpergefühl – ist es aber zu ausgeprägt, kann das Angst machen, und Emotionen werden als überwältigend und bedrohlich erlebt.

Ein Zuviel an guten Gefühlen

Auch bei erwünschten Gefühlen von Dankbarkeit, Empathie oder Autonomie gebe es ein „Zuviel“, weil ein Übermaß davon nicht in jeder Situation angemessen sei. Zu ausdauernde Achtsamkeitstrainings führten bei manchen Menschen sogar zu einem kompletten Verlust von Gefühlen. Darüber hinaus sorgten die Übungen nicht bei jedem dafür, dass man seine Emotionen besser regulieren könne – dies hänge auch davon ab, wie jemand grundlegend damit umgehe.

Bei den Studienergebnissen zeigte sich ein Phänomen, das in der Psychologie schon lange als „Yerkes-Dodson-Funktion“ bekannt ist: Viele Messungen von Zusammenhängen zwischen psychologischen und physiologischen Prozessen ergeben die Form eines umgekehrten U. Das heißt, ein mittleres Maß an Angst verbessert die Leistung, hat man zu viel, verkehrt sich der Effekt ins Gegenteil. Anscheinend kommt es auch bei Achtsamkeitsübungen auf die richtige Dosis an – und darauf, wer unter welchen Umständen mit welchem Ziel trainiert, schreibt Wil­loughby B. Britton.

SAC

Willoughby Britton: Can mindfulness be too much of a good thing? The value of a middle way. Current Opinion in Psychology, 2018. DOI: 10.1016/j.copsyc.2018.12.011

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