Mut zur Angst

Angst ist unangenehm, doch wenn wir richtig mit ihr umgehen, wird sie kostbar: Sie zeigt, was wichtig ist – und setzt ungeahnte Kräfte frei.

Die Illustration zeigt einen kleinen Mann, der einen sehr großen, schwarzen Wolf von seinem Halsband befreit und ihn mutig anschaut
Was, wenn Angst kein Feind ist, sondern eine Ressource, die erschlossen werden kann? © Stephan Schmitz

Eigentlich war Cecilia in einer beneidenswerten Situation. In den letzten Jahren hatte die Kommunikationsexpertin als Direktorin in einem Ministerium in Washington, D.C. gearbeitet. Und nun hatte ihr eine Firma an der Westküste eine Position angeboten. Der neue Job war sehr verlockend. Cecilia hatte viele Jahre in ihre Karriere investiert und sie meinte, sie schulde es sich, nun am Ball zu bleiben. Mehr noch aber sorgte sie sich, ihre Familie durch einen Umzug zu sehr zu belasten. Was, wenn die Kinder in der Schule nicht zurechtkämen oder sich die Familie in der neuen Stadt nicht wohlfühlen würde? Ihr Ehemann sagte, sie solle sich bei der Entscheidung davon leiten lassen, was sie glücklich machen würde. Aber dass er die Wahl ihr überließ, erhöhte nur ihre Besorgnis und ihre Schuldgefühle. Angst bestimmte jede Minute ihres Tages: Sie hatte keinen Appetit, lag nachts stundenlang wach und fühlte sich durcheinander.

Gefühle, wie sie Cecilia verspürte, kennen viele Menschen. Für manche ist es die Sorge, eine falsche Karriereentscheidung zu treffen, für andere die Furcht, keinen Lebenspartner zu finden, es gibt Panikgefühle wegen eines anstehenden Vortrags oder beklemmendes Magendrücken, wenn man an das nächste Treffen mit dem an Alzheimer leidenden Vater denkt.

Und wenn die Angst gar kein Feind ist?

Ein Satz, den die Betroffenen dann oft hören, lautet: „Du musst deine Angst überwinden.“ In der allgemeinen Wahrnehmung sei Angst ein Problem, das bezwungen werden muss, schreibt die amerikanische Psychotherapeutin Alicia Clark. Gutmeinende…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 11/2019: Mut zur Angst
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