Keine Angst vor ... Multiple Sklerose

Keine Angst vor ... Multipler Sklerose: Ein Buch nahm Janine van Deventer die Angst vor ihrer Multiple-Sklerose-Erkrankung.

Janine van Deventer erzählt: Nach dem Befund „multiple Sklerose“ war Angst lange Zeit mein ständiger Begleiter:

Angst vor dem ungewissen Krankheitsverlauf, Angst, anderen zur Last zu fallen. Die Diagnose bekam ich mit 14, als ich ein Bein plötzlich nur noch nachziehen konnte. „Muss ich sterben?“, fragte ich den Neurologen. Statt einer Antwort schickte er mich raus, um mit meinem Stiefvater allein zu reden. Zu Hause sagte meine Mutter, dass ich vielleicht bald im Rollstuhl sitzen müsse.

Ich fühlte mich allein mit meiner Krankheit, bekam Albträume und sogar eine Depression. Als ich nach einer Trennung mit Ende 20 in ein Pflegeheim ziehen musste, fiel endgültig alles zusammen. Ich konnte mich nicht mehr selbst versorgen. Dort sah ich, wie andere MSler nur noch im Bett lagen. Da wusste ich: So will ich nicht enden!

In einem Buch von zwei Frauen mit MS, eine davon bettlägerig, fand ich Übungen, mit denen sie sich körperlich und seelisch wieder aufgebaut hatten. Die Frau, die nur noch im Bett liegen konnte, hatte wieder laufen gelernt.

Das wollte ich auch. Ich lernte, meinen Kopf besser zu halten und mit fester Stimme zu sprechen. In Traumreisen malte ich mir ein Leben am Meer aus. Ich fand mich nicht mehr hässlich und traute mich, auf Instagram mit anderen Betroffenen in Kontakt zu treten.

Mein neuer Lebensmut wirkte: Als der Bruder einer Mitbewohnerin zu Besuch kam, verliebten wir uns beim Spaghetti-Essen. Ich zog zu ihm an die Ostsee.

Ich habe Respekt vor meiner Aufgabe: Liebevoll zu mir selbst zu sein und anderen Mut zu machen. Aber Angst habe ich nicht mehr.

Janine van Deventer liebt das Meer – und zog an die Ostsee.

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 4/2022: Das Leben leicht machen
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