„Die letzte Angst schwindet mit dem Tun“

​Reinhold Messner hat sein Leben wie kaum ein anderer dem Bergsteigen gewidmet. Ein Gespräch über Herausforderungen – und die Macht der Natur

Bergsteiger und Extremsportler Reinhold Messner lachend mit Schnee im Gesicht in der Antarktis, 1989/90
Grenzgänger Reinhold Messner: Am Berg ist Instinkt wichtiger als Intellekt. © Picture Alliance

Herr Messner, viele Menschen testen heute ihre Grenzen aus, in Hochseilgärten, beim Bungeespringen. Wie bewerten Sie die Bedürfnisse dieser Menschen?

Ich verstehe es, aber es ist Selbstbetrug. Es ist kein Austesten von Grenzen, es ist eine Suche nach Sicherheit, aus der die Leute Kinderspiele machen. Das ist auch richtig. Was sollen die Menschen, die aus der Stadt kommen, in eine große Wand einsteigen? Das wäre viel zu gefährlich.

Aber das richtige Abenteuer findet dort statt, wo keine Infrastrukturen sind. Also kein Bungeeseil, kein Hochseilgarten. Dort, wo der Mensch freiwillig in einen Gefahrenraum hineingeht, da ist ein archaischer Raum. Wir Bergsteiger gehen streckenweise in diesen Raum hinein, in diesen gefährlichen, schwierigen, archaischen Raum. Und wir leben da drinnen nach anarchischen Mustern. Das ist ganz wichtig. Da gibt es keinen Richter, der hat dort nichts verloren.

Können Sie die anarchischen Muster noch ein bisschen erläutern?

In einer Bergsteigergruppe hat niemand Macht. Anarchie heißt da: keine Macht für niemand.

Aber in jeder Gruppe, in der alle das gleiche Ziel verfolgen, kristallisiert sich doch einer heraus, der – vielleicht aufgrund größerer Kompetenz – die Richtung vorgibt.

Natürlich wird, wenn wir im Berg zu fünft agieren, ein Leadership vergeben. Diese Vergabe erfolgt instinktiv. Und zwar übernimmt der Geschickteste, der psychophysisch Stärkste die Führung, weil ihm die anderen das zuschieben. Er bekommt von ihnen Kraft und Energie, damit alle überleben.

Was...

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