Ein Herz und ein Gehirn

Enge Freunde und Freundinnen ähneln sich oft ziemlich stark in ihren Interessen und ihrer Weltsicht. Kann man das sogar an ihrer Gehirnaktivität ablesen?

Ein Herz und ein Gehirn

Freundschaft ist eine Seele in zwei Körpern. So formulierte es Aristoteles. Tatsächlich denken und fühlen enge Freunde sehr ähnlich. Nun haben Neurowissenschaftler der University of California und des Dartmouth College auch auf neuronaler Ebene nachgewiesen: Die Gehirne von Freunden arbeiten und reagieren verblüffend übereinstimmend.

Carolyn Parkinson und ihre Mitforscher rekrutierten 42 junge Frauen und Männer, die untereinander unterschiedlich eng befreundet waren, und legten sie in einen Magnetresonanztomografen. So konnten die Forscher die Gehirnaktivität ihrer Teilnehmer verfolgen, während diese ganz verschiedenartige kurze Videoclips anschauten. Darunter war zum Beispiel ein Kurzvideo, in dem der Astronaut Chris Hadfield zeigt, wie sich Wasser bei Schwerelosigkeit verhält (nämlich wie ein zähflüssiges Gel). Außerdem sahen die Probanden Clips aus Politik und Wissenschaft, Comedy- und Musikvideos.

Den Forschern ging es bei diesem Versuchsaufbau um ein möglichst realitätsnahes Szenario: „Da alle Freiwilligen dieselben Clips sahen, ähnelte unser Experiment der Situation, die sich ergibt, wenn Freunde miteinander fernsehen und dabei zwischen den Sendern hin- und herschalten“, schreiben die Wissenschaftler. Während des Experiments behielten sie insgesamt 80 verschiedene Hirnregionen der Probanden im Auge – und verfolgten, wie stark die Areale auf den jeweiligen Clip ansprachen.

Wie sich herausstellte, reagierten die Gehirne von guten Freunden äußerst ähnlich auf die Videos: Sie wiesen große Übereinstimmungen im Aktivitätsmuster jener Gehirnareale auf, die eine Rolle beim Empfinden von Gefühlen, aber auch bei der Konzentration und kognitiven Hochleistungen spielen. Die neuronalen Übereinstimmungen waren so stark, dass die Forscher stolz konstatieren konnten: „Es ist möglich, anhand solcher Aufnahmen festzustellen, wer mit wem eng befreundet ist.“ Die Wissenschaftler sprechen von neuronaler Homophilie: „Wir sind generell mit Menschen befreundet, die die Welt so interpretieren wie wir.“

DOI: 10.1038/s41467-017-02722-7

Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 2/2019: Zwischen Liebe und Pflichtgefühl
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