Optimisten sparen nicht gern

Ein angeschlagenes Selbstwertgefühl ist nicht schön, hat aber den Vorteil, dass wir dann mit unserem Geld vorsichtiger umgehen.

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten legen die Menschen mehr Geld zurück – diese Vermutung klingt plausibel, trifft so aber offenbar nicht zu. Dies zeigten Wirtschaftswissenschaftler jetzt in sieben Studien mit fast 4000 Teilnehmern aus Israel und den Niederlanden. Die Probanden neigten dann vermehrt zum Sparen, wenn ihr Selbstbild bedroht war.

Die Forscher ließen die Teilnehmer berichten, wie gut ihr Selbstwertgefühl im Allgemeinen sei. Außerdem stellten sie ihnen diverse Denksportaufgaben wie etwa Sudokus. Als Rückmeldung wurde den Probanden nach dem Zufallsprinzip mitgeteilt, ihr Ergebnis sei gut oder schlecht. Dann erhoben die Psychologen, wie die Probanden über die Zukunft dachten, und schließlich, wie sie in der Zukunft mit ihrem Geld umgehen wollten.

Optimisten sollten auf ihr Geld aufpassen

Es zeigte sich durchgängig, wie ein angeschlagenes Selbstbewusstsein die Vorstellungen der Teilnehmer von der Zukunft verdüsterte – nach der negativen Rückmeldung über ihr Abschneiden bei den Denksportaufgaben wurden sie pessimistischer. Der Misserfolg färbte ihre Gedanken über die Zukunft negativ ein. In diesem Zustand bewerteten sie das Sparen positiver und äußerten eine größere Bereitschaft dazu. Auf diese Weise schützten sich die Teilnehmer vor den für ihr Selbstwertgefühl bedrohlichen Gefühlen, erklären die Psychologen. Das Sparenwollen entsprang ihrem Wunsch, sich vor zukünftigen Katastrophen zu schützen. Umgekehrt nahm die Sparbereitschaft bei denjenigen Teilnehmern ab, die von den Forschern zu einem optimistischen Blick in die Zukunft animiert worden waren. Diesen Zusammenhang, so meinen die Wissenschaftler, könnten wir uns zunutze machen: Allzu großer Optimismus empfiehlt sich wohl eher nicht, wenn es darum geht, sich für die Zukunft finanziell abzusichern.

Darüber hinaus stellten die Forscher fest: Teilnehmer, die mehr Freunde und soziale Kontakte hatten, zeigten eine geringere Neigung dazu, ihr Geld zurückzulegen. Offenbar sähen Menschen ihre Freunde und Bekannten als eine psychologische Ressource an.

Yael Steinhart, Yuwei Jiang: Securing the future: Threat to self-image spurs financial saving intentions. Journal of Personality and Social Psychology. Published online April 2019. DOI: 10.1037/pspa0000159

Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 8/2019: Paare im Stress
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