Der Beobachter

Seine Bücher sind Bestseller. Frans de Waal erforscht Verhalten, Sex, Moral von Schimpansen und Bonobos – und worin wir ihnen ähneln. Ein Porträt.

Der Primatologe und Bestseller-Autor Frans de Waal sitzt an seinem Tisch im Büro in der Universität
Frans de Waal – aufmerksamer Beobachter, der keiner kontroversen Diskussion aus dem Weg geht. © Peyton Fulford

Im Moment stecke ich zu Hause fest. Das ist frustrierend.“ Die Coronapandemie hat die Pläne von Frans de Waal gehörig durcheinandergebracht. Wäre es ein normales Jahr, würde er jetzt durch die Welt reisen und Vorträge halten, unter anderem in Deutschland und den Niederlanden. Alles abgesagt. Er liebe es, sagt er, vor großen Gruppen zu sprechen, den Menschen seine Forschung zu erklären und ihnen Videos über das Verhalten von Tieren zu zeigen.

Doch die letzten Monate hat der Primatologe, der seit 1991 Professor für Psychologie an der Emory University in Georgia ist, in selbstauferlegter Quarantäne zu Hause verbracht. Seine Frau und er seien in einem Alter, in dem man mit dem Virus besonders vorsichtig sein müsse, sagt er. Virtuell hält der 71-Jährige mit seinen Studenten Kontakt. So hat er an diesem Morgen bereits per Zoom mit angehenden Biologen der Universität Utrecht diskutiert, wo de Waal eine zweite Professur innehat.

Auch unser Gespräch findet per Skype statt. Er sitzt in seinem Homeoffice in Stone Mountain bei Atlanta – ein großzügiger Raum mit Bücherwand, großem Aquarium und Kamin, wie man im Video sieht.

„Ich habe eine Botschaft

Kommunikation ist Frans de Waal ein wichtiges Anliegen. Er ist kein Wissenschaftler, der ausschließlich für andere Wissenschaftler publiziert. Seine zahlreichen populärwissenschaftlichen Bücher tragen Titel wie Der Affe in uns oder Primaten und Philosophen. Es sind Bestseller, in zwanzig Sprachen übersetzt. „Die Fachartikel, die ich mit meinen Mitarbeitern schreibe, werden vielleicht von 500 Leuten gelesen – wenn es gut läuft. Es gibt auch Artikel, die schauen sich nur zehn Kollegen an. Wenn man eine Botschaft hat – und ich glaube, ich habe eine Botschaft –, möchte man mehr als zehn Personen erreichen.“

Was kann man aus dem Verhalten und den Eigenschaften von Tieren über uns Menschen und unsere Evolution lernen? Dies ist die zentrale Frage, die der Biologe seit mehr als vier Jahrzehnten stellt. Beim Menschen mögen bestimmte emotionale und kognitive Fähigkeiten weiter entwickelt sein, aber...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 11/2020: ​Toxische Beziehung
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