Nur geträumt

Wir alle träumen, auch wenn wir uns oft nicht daran erinnern. Welche Funktion die nächtlichen Bilder haben, ist umstritten.

Foto zeigt eine Frau auf einem weißen Engelsflügel, die träumt.
In einer anderen Welt: Was wir im Traum erleben, ist und bleibt ein Rätsel. © plainpicture/Raina Anderson

Warum träumen wir? Wieso produziert unser Gehirn einen Strom bunter (und oft auch ziemlich wirrer) Bilder, während wir ruhen? Schon die griechischen Philosophen haben sich über diese Frage Gedanken gemacht. Platon interpretierte die nächtlichen Fantasien als Nachrichten der Götter. Aristoteles sah die Sache nüchterner; aus seiner Sicht sind Träume eine Art Nachhall der Sinne, die sich im Schlaf erholen. Mit der Theorie einer göttlichen Botschaft hatte er nichts am Hut. Stattdessen sei ihr Inhalt Ausdruck dessen, was in dem Träumer gerade vorgehe, oder gar schlichter Zufall.

Mehr als 2300 Jahre nach Aristoteles’ Tod streitet sich die Wissenschaft immer noch darüber, welche Funktion Träume haben. Sigmund Freud war davon überzeugt, dass ihnen eine verschlüsselte Botschaft innewohnt: Der Begründer der Psychoanalyse sah in den Nachtbildern symbolische Hinweise auf verdrängte Wünsche. Sie offenbaren so, was wir in unserem tiefsten Innern fühlen und denken, uns aber womöglich nicht eingestehen. Wir müssen dazu allerdings lernen, sie zu deuten.

Ein Fenster zur Seele

Träume wären demnach also eine Art Fenster zu unserer Seele – allerdings eines aus Milchglas, das nur einen verzerrten Blick in unser Innerstes gewährt. Wissenschaftlich überprüfen lässt sich diese Sichtweise kaum; allein schon deshalb, weil die Interpretation der Nachtbilder in hohem Maße subjektiv ist: Wann ist die geträumte Krawatte einfach ein modisches Accessoire und wann ein Phallussymbol, das für unterdrückte sexuelle Bedürfnisse steht?

n Freuds Traumtheorie steckt ein Gedanke, der sich in vielen Hypothesen wiederfindet: Träume schärfen den Blick – entweder auf uns selbst oder auf unsere Umwelt. Durch sie können wir Dinge erkennen, für die uns im Wachzustand der Blick fehlt. Ist es aber tatsächlich so, dass Träume uns weitsichtiger machen? Dass wir durch sie zu neuen Erkenntnissen gelangen?

Zusammenhänge erkennen

Sue Llewellyn, emeritierte Sozialwissenschaftlerin der Universität Manchester und Autorin des Buchs What Do Dreams Do?, ist davon überzeugt. „Ich glaube, dass Träume uns helfen, Gesetzmäßigkeiten in unseren Erlebnissen zu identifizieren“, sagt sie. „Als Jäger und Sammler konnten wir auf diese Weise zum Beispiel leichter bedrohliche Situationen erkennen.“ Wir Menschen sind gut darin, Muster oder Regeln zu entdecken – es ist ziemlich nützlich, zu wissen, dass auf das grollende Geräusch am Himmel oft ein Gewitterschauer folgt.

Nicht immer jedoch sind die Zusammenhänge derart offensichtlich. Eventuell ermöglicht uns das nächtliche Kopfkino, sie dennoch zu sehen. 

Lesen Sie den kompletten Artikel von Frank Luerweg in unserem aktuellen Themenheft der Reihe Psychologie Heute compact: Besser schlafen: Warum wir wachliegen. Wie wir zur Ruhe finden. Was Träume uns sagen

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute Compact 65: Besser schlafen
Psychologie Heute Compact 65: Besser schlafen
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