Schneller arbeiten oder länger?

Über zwei häufig eingesetzte Copingstrategien, die beide ihren psychologischen Preis haben

Zeitdruck, der oft unerwartet in Form zusätzlicher Aufgaben auftritt, führt häufig dazu, dass wir schneller arbeiten oder auch länger – um ein Tagesziel trotz einer zusätzlichen Anforderung noch zu erreichen. Das motiviert häufig, steigert die Leistung und wird als positive Herausforderung erlebt. Trotzdem empfehlen Psychologen, Zeitdruck nicht als Mittel für mehr Motivation einzusetzen. In einer aktuellen Studie fanden sie zwar den positiven Effekt. Aber gleichzeitig stellte sich heraus, dass dieser nur dann erlebt wurde, solange nicht länger als gewöhnlich gearbeitet wurde. Zugleich fanden die Forscher heraus: Arbeiteten die Teilnehmer unter Zeitdruck schneller, stieg auch das Gefühl der Belastung und der Gereiztheit.

In einer Tagebuchstudie mit mehr als 100 Angestellten in fünf verschiedenen Behörden untersuchten die Forscher, ob schnelleres und längeres Arbeiten die Arbeitsmotivation erhöhte oder zu mehr Gereiztheit und verringertem Wohlbefinden führte. Die Teilnehmer antworteten zehn Tage lang zweimal am Tag auf die Fragen der Forscher: einmal direkt nach „Dienstschluss“ und ein zweites Mal kurz vor dem Schlafengehen. Dabei fragten die Psychologen, ob sie zeitlichen Druck erlebt hatten und fragten danach, wie engagiert sie sich gefühlt hatten, ob sie gut in ihre Arbeit eintauchen konnten und ob sie genug Schwung und Kraft für ihre Tätigkeit gehabt hatten. Bei der zweiten Befragung am Abend ging es darum, ob sie länger als gewöhnlich gearbeitet hatten, ob die Teilnehmer tagsüber schlechte Laune gehabt hatten, ob sie später zu Hause über Probleme bei der Arbeit nachgedacht hatten und ob sie sich irritiert oder gereizt gefühlt hatten.

Die Grenzen beider Strategien

Schneller und länger zu arbeiten bezeichnen Psychologen als Copingstrategie, denn wir passen damit unser Verhalten an die veränderte Situation an. Doch beide Strategien funktionieren offenbar nur begrenzt, dies legt die Studie nahe. Länger arbeiten reduziert die Zeit, die uns für die tägliche Erholung zur Verfügung steht, wie Forschungen schon länger belegen. Und schneller zu arbeiten könne zweierlei bedeuten, schreiben die Forscher: Entweder wir können auf den Zeitdruck nicht anders reagieren, was ein Zeichen von Überforderung sein kann. Oder die Motivation steigt zwar kurzfristig, aber wir brauchen zu viel Kraft dafür – und dann benötigen wir auch zeitnah eine Pause.

Anja Baethge u. a.: „Some days won`t end ever“: Working faster and longer as a boundary condition for challenge versus hindrance effects of time pressure. Journal of Occupational Health Psychology, 24/3, 2019. DOI: 10.1037/ocp0000121

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