Lieber von neun bis fünf

Wer samstags oder sonntags arbeitet, schadet womöglich der eigenen Motivation, wie eine psychologische Studie zeigt.

Wer an Feiertagen oft arbeitet, schadet der eigenen Motivation. © Klaus Vedfelt/Gettyimages

Wenn wir samstags oder sonntags arbeiten, macht das offenbar weniger Spaß und es unterminiert unsere Motivation, haben die Psychologinnen Laura M. Giurge und Kaitlin Woolley in sechs Studien festgestellt. Der Grund: Arbeiten außerhalb der normalen Zeiten fördert das so genannte kontrafaktische Denken, berichteten Teilnehmende: Arbeiteten sie an einem Feiertag oder einem Samstag, kamen ihnen leichter Überlegungen wie „Eigentlich könnte ich jetzt etwas Schöneres machen“ in den Sinn. Wie die beiden Forscherinnen schreiben, sei dies die erste Studie zu der Frage, wie der Zeitpunkt des Arbeitens unseren eigenen Antrieb beeinflussen könnte.

Die beiden Forscherinnen befragten mehrere Hundert überwiegend Vollzeit-Erwerbstätige jeweils an einem normalen Werktag sowie an einem Feiertag oder Samstag danach, wie motiviert sie gerade waren, ob sie das Thema interessant fanden, an dem sie gerade arbeiteten und inwieweit es ihnen Freude bereitete. In einem Teil der Untersuchungen wurden die Frauen und Männer zudem befragt, ob sie während der Arbeit darüber nachdachten, dass sie gerade vielleicht etwas Schöneres tun könnten oder umgekehrt – wie viele unangenehme Aktivitäten die Arbeit ihnen in dem Moment ersparte (kontrafaktisches Denken).

Es zeigte sich, dass speziell die Überlegungen, was jetzt eine attraktivere Tätigkeit wäre, die Motivation an den Feier- oder Samstagen ganz besonders schwächte. Umgekehrt erlebten es die Befragten eher als motivierend, wenn sie sich vorstellen, dass sie anstatt zu arbeiten etwas tun würden, was ihnen weniger gefallen würde.

Was uns antreibt

Intrinsische Motivation heißt, dass es eine Tätigkeit oder Aufgabe selbst ist, die uns antreibt, weil wir sie gerne erledigen oder das Thema uns interessiert. Ob wir so von innen heraus motiviert sind, hänge aber auch davon ab, zu welchen Zeiten wir arbeiten, dies zeigt nach Angaben der Forscherinnen diese Studie erstmals. Die Autorinnen empfehlen, dass Mitarbeitende, die an Wochenenden arbeiten müssen, untereinander gut vernetzt sein sollten, denn schon das Wissen, dass andere auch an Samstagen oder Feiertagen tätig sind, könne den Motivationsschwund verhindern. Dennoch sei es nicht zu empfehlen, zu häufig an Wochenenden zu arbeiten, weil das dauerhaft doch die Produktivität senken und das Wohlbefinden beeinträchtigen könne. Das Gegenstück zur intrinsischen Motivation ist die extrinsische, die wir haben, wenn es am wichtigsten ist, mit der Arbeit Geld zu verdienen oder Anerkennung zu bekommen. 

Laura M. Giurge, Kaitlin Woolley: Working during non-standard work time undermines intrinsic motivation. Organizational Behavior and Human Decision Processes, 2022. DOI: 10.1016/j.obhdp.2022.104134

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