Das ist mein Typ

Bei der Partnerwahl sind wir berechenbarer, als wir glauben – mit einer Ausnahme

Nach einer Trennung sind sich viele sicher: So einen Partner oder so eine Partnerin wollen sie nicht noch einmal in ihr Leben lassen. Und doch tun sie es. Menschen neigen tatsächlich dazu, immer wieder mit Personen des gleichen Typs anzubändeln, das zeigt eine neue Längsschnittuntersuchung.

Forscher aus Kanada analysierten die Angaben von deutschen Teilnehmern an der Familienstudie pairfam, in der Frauen, Männer und ihre Partner oder Familien seit 2008 regelmäßig Auskunft über sich und ihre Lebensverhältnisse geben und Persönlichkeitstests ausfüllen. 332 von ihnen hatten in diesem Zeitraum ihren Partner gewechselt. So konnten die Forscher den Ex- sowie den aktuellen Lebensgefährten in die Erhebung einbeziehen.

Die Studienteilnehmer waren im Schnitt 25 Jahre jung, die vorherige Beziehung hatte durchschnittlich drei Jahre und zehn Monate gehalten. Sowohl die Probanden als auch ihre Ex-Partner und die aktuellen Lieben füllten einen Fragebogen zu ihrer Persönlichkeit aus. Fragen waren etwa: Wie offen sind Sie Neuem gegenüber? Wie sehr öffnen Sie sich anderen? Wie umgänglich und umsichtig gehen Sie durchs Leben – oder auch wie neurotisch?

Wie vielfältig ist der Freundeskreis?

Tatsächlich fanden die Forscher große Übereinstimmungen zwischen den Persönlichkeitsprofilen des Ex-Partners und des neuen Partners der Studienteilnehmer. Die Forscher prüften dabei auch, ob Ex- und aktuelle Lebensgefährten einander ähnlich waren, weil sie beide dem Probanden ähnelten. Doch selbst wenn die Wissenschaftler diese Überschneidung herausrechneten, blieben sich Ex- und heutiger Partner über den Zufall hinaus ähnlich. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass unsere Partnerwahl berechenbarer ist als gedacht“, schreiben die Autoren der Studie.

Eine Ausnahme waren Teilnehmer, die besonders offen und extravertiert waren. Ihre Partnerwahl fiel nicht so gleichförmig aus. Vermutlich, so die Forscher, weil sie viele unterschiedliche Bekanntenkreise und Netzwerke pflegten. Aus dem Ergebnis sollten wir aber nicht die Schlussfolgerung ziehen, dass es ein Fehler sei, sich in ähnliche Typen zu verlieben. Sondern vielmehr lernen, mit den Eigenschaften des neuen Partners anders umzugehen.

Yoobin Park, Geoff MacDonald: Consistency between individuals’ past and current romantic partners’ own reports of their personalities. PNAS, Juni 2019. DOI: 10.1073/pnas.1902937116

Lesen Sie auch unser Themenheft Wie geht Beziehung? aus der Reihe Psychologie Heute compact.

Artikel zum Thema
Beziehung
Vergangene Partnerschaften beeinflussen unser Beziehungsleben. Wer sie reflektiert, kann an den Erfahrungen wachsen.
Leben
Männer sind das vielfältigere Geschlecht. Sie unterscheiden sich untereinander stärker als Frauen. Was heißt das für die Gleichberechtigung?
Leben
Manche Menschen haben eine ganz besondere emotionale Ausstrahlung. Psychologen nennen das „affektive Präsenz“.
Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 10/2019: Passiv-Aggressiv
Psychologie Heute Compact 66: Meine Wohnung und ich
file_download print

Die Redaktion empfiehlt

Leben
Sorgenschleifen können sich verselbstständigen und großen Einfluss auf unser Leben haben.
Beziehung
Zweifel an der eigenen Beziehung sind eine große Belastung – für den Partner und insbesondere den Betroffenen.
Leben
Warum sind wir so gehetzt? Wir haben ein Gespür für den Geldwert, nicht aber für den Zeitwert unseres Tuns. Wie wir unseren Zeitwohlstand mehren.