Der prägende Partner

Wie kann der Partner oder die Partnerin einem helfen, sich selbst näherzukommen? Antworten gibt das „Michelangelo-Phänomen“.

Die Illustration zeigt zwei Partner, die sich gegenseitig die Hand auf die Schultern legen und dabei auf ihrer freien Hand sitzen
Illustration: Joni Majer © Joni Majer

Vor fünf Jahren lernten sich Stefan und Katja (Namen geändert) beim Tennis kennen. Der 47 Jahre alte Projektmanager und die 48-jährige Sonderpädagogin aus Kiel merkten schnell, dass sie mehr verband als nur ihre Liebe zum perfekten Volley. Sie teilten ein Interesse fürs Segeln und waren auch politisch auf einer Linie. Charakterlich allerdings sind sie, das stellte sich bald heraus, ziemlich unterschiedlich: Während Katja lebhaft und impulsiv ist, sich aber auch schnell einmal gestresst fühlt, ist Stefan eher bedächtig, neigt allerdings manchmal zum Grübeln. „Einerseits passten wir sehr gut zusammen, andererseits aber auch gar nicht“, erinnert sich Katja. „Deshalb gab es früh den einen oder anderen heftigen Streit. Gott sei Dank haben wir es geschafft, uns schnell zusammenzuraufen und von unserer Unterschiedlichkeit zu profitieren. Ohne Stefan hätte ich bei meinem Stresslevel in der Schule inzwischen wahrscheinlich schon einen Tinnitus.“

In einer Partnerschaft zu leben, ohne sich gegenseitig zu beeinflussen, ist undenkbar. Paare formen und prägen einander im Laufe einer Beziehung zwangsläufig. Im Optimalfall helfen beide Seiten einander dabei, sich zu entwickeln, gemeinsam zu wachsen und vielleicht sogar die besten Seiten des anderen zu betonen. Stefan etwa bestärkte Katja darin, ihrem Bedürfnis nach Ruhe und Entspannung mehr Raum zu geben: Nach der Arbeit kochten die beiden zusammen oder gingen laufen; er ermutigte sie auch, ihr altes Hobby, die Malerei, wieder aufzunehmen. Katja dagegen unterstützte Stefan darin, mit mehr Optimismus durch die Welt zu gehen und im Job etwas auszuprobieren. „Dadurch konnte ich drei neue Kunden an Land ziehen“, sagt Stefan. „Ich habe dank Katja einige neue Seiten an mir entdeckt.“

Paare, denen es gelingt, sich gemein­sam zu entwickeln, so wie es bei Stefan und Katja der Fall ist, sind oft in hohem Maße zufrieden mit sich und ihrer Beziehung – weil sie sich im Innersten gesehen fühlen. In glücklichen Partnerschaften, so eine US-amerikanische Forschergruppe um Caryl…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 3/2021: Wege aus der Depression
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