Depressionen - Das Schöne macht mich traurig

Schöne Erinnerungen lösen Freude aus. Doch bei Menschen mit Depression ist das nicht unbedingt der Fall, wie diese Studie zeigt.

Schlecht gelaunt? Vielen hilft es, sich dann bewusst an etwas Schönes zu erinnern. Dieser Mechanismus funktioniert bei Menschen mit Depressionen eher nicht, so zeigte jetzt eine Studie.

Die Teilnehmenden, die über depressive Symptome berichtet hatten, hatten an angenehmen Erinnerungen keine Freude, diese machten sie im Gegenteil sogar traurig. Die drei Wissenschaftlerinnen kommen zu dem Schluss: Menschen, die zu Depressionen neigen, erleben zwar schöne Erfahrungen, können diese aber später nicht genießen.

Zwei Gruppen, eine mit Personen, die schon depressive Episoden erlebt hatten, und eine mit Probanden, bei denen noch keine Depressionen festgestellt worden waren, notierten sich über mehrere Tage, wie oft ihnen schöne Erinnerungen einfach in den Sinn kamen oder sie sich diese bewusst ins Gedächtnis riefen (autobiographical memory diary).

Teilnehmende mit depressiven Symptomen berichteten, dass sie über ihre angenehmen Erinnerungen intensiv grübelten und diese ihnen nicht halfen, in eine bessere Stimmung zu kommen. Dieses „Brüten“ sei eine besonders ungünstige, intensive Variante des Grübelns und gehe mit besonders negativen Denkmustern einher, schreiben die Forscherinnen.

Aleksandra E. Isham: Sad reflections of happy times: Depression vulnerability and experiences of sadness and happiness upon retrieval of positive autobiographical memories. Memory, 2022. DOI: 10.1080/09658211.2022.2105364

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 1/2023: Selbstmitgefühl
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