Richtig nett sein

In einer zunehmend hasserfüllten Welt liegt die Erforschung der Freundlichkeit im Trend – die Ergebnisse sind ermutigend.

Drei Personen sitzen zusammen und sind freundlich zueinander.
Nett zueinander sein: Die Erforschung der Freundlichkeit liegt im Trend. © Eva Klemann-Kochhan

In der Schlange eines Drive-in-Schnellrestaurants im kanadischen Manitoba wartete vor ein paar Jahren ein netter Mensch auf sein Essen: Er bezahlte, als er an die Reihe kam, auch gleich die Rechnung des hinter ihm Wartenden. Das freute den Beschenkten so sehr, dass er es machte wie sein Vorgänger und seinerseits die Rechnung für den Nächsten hinter ihm beglich. Die Kette liebenswürdiger Handlungen wuchs auf 226 Leute an.

Freundlichkeit, Güte oder Liebenswürdigkeit können anstecken wie eine Viruserkrankung, nur dass es sich um eine erwünschte, angenehme Infektion handelt. Das sei „wissenschaftlich verbrieft“, versichert der britische Psychologe Lee Rowland von der Non-Profit-Organisation Kindness.org, der an der Universität Oxford forschte.

Rowland beschäftigt sich seit Jahren mit diesem für ihn existenziellen Thema. Etliche Studien „belegen inzwischen den wahrscheinlichen Nutzen der Freundlichkeit für alle“, so der Forscher. Von Nettigkeit profitieren also auch diejenigen, die nett sind: Akte der Freundlichkeit geben Seele und Körper der „Spender“ einen kleinen Kick, sie machen glücklich und geben Kraft – nicht viel, aber doch in einem Maße, dass es gerade in unruhigen Zeiten einen entscheidenden Unterschied macht.

Freundlichkeit im Basisrepertoire

Man kann zu jedem nett sein: zum Partner, zu Mutter, Vater und Geschwistern, zu Freunden, zu Kollegen. Und zu wildfremden Menschen. Tatsächlich mag es manchmal sogar leichter sein, einen Unbekannten mit Freundlichkeit zu beschenken als nahestehende...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Räume der Seele: Psychologie Heute 12/2019
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