Ich über mich

Das Selbstbild ist mächtig, es kann uns wachsen lassen oder einengen. Wie wir einen förderlichen Blick auf uns werfen.

Die Illustration zeigt junge Frauen, die mit Kameras Selfies von sich machen und sich dabei so inszenieren, wie sie gerne von außen wahrgenommen werden möchten
Ein Bild von sich selbst: Junge Frauen bestimmen, wie sie von außen wahrgenommen werden wollen. © Drushba Pankow

Wie siehst du dich? Jahrelang hätte Jana Kuhnke auf diese Frage nur vage Antworten geben können. In der Zeit ihres Studiums erlebte sich die heute 42-Jährige als arrogant und distanziert, durcheinander und suchend, nur in Freundschaften kommunikativ und zugewandt – ansonsten ziemlich belastet durch chronische Bauchschmerzen. Erst als die Sozialarbeiterin wegen eben dieser Schmerzen mit Mitte zwanzig eine Psychotherapie begann, fing sie an, sich zu fragen, was für ein Mensch sie ist und wie ihr bisheriges Selbstbild überhaupt zustande gekommen war. Sie stellte fest, dass sich hinter ihrer Arroganz viel Angst vor dem Versagen verbarg und hinter den Bauchschmerzen ein Gefühl von Einsamkeit.

In dieser Phase der Selbsterkenntnis änderte sich ihr Bild von sich selbst, es nahm Konturen an und wurde zugleich positiver. Jana Kuhnke, die in Wirklichkeit anders heißt, erkannte auch, dass sie ihre kommunikative Art nicht nur in Freundschaften, sondern in vielen Situationen nutzen konnte. Das machte sie stärker. Als arrogant würde sie sich heute auch nicht mehr beschreiben, eher als leicht zu verunsichern. „Ich weiß mittlerweile genauer, wie ich ticke und wie das Bild, das ich mir von mir mache, mein Leben beeinflusst“, sagt sie. „Meine Selbstsicht hat sich allein dadurch verändert, dass ich mich eine Weile ernsthaft damit beschäftigt habe.“

Die Macht über unseren Lebensentwurf

Es ist sinnvoll, sich das Selbstbild – also per Definition das Bild, das wir uns von uns selbst machen – bewusst und genau anzuschauen, das gilt heute als Konsens in der Psychologie und Psychotherapie. „Der erste Schritt ist, sich klarzumachen,...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 10/2020: Die Macht des Selbstbilds
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