Mir fehlen die Worte

Wenn im beruflichen Umfeld jemand trauert oder ein Kollege stirbt, wissen viele oftmals nicht, wie sie damit umgehen sollen. Dabei braucht es nicht viel.

Eine Frau steht traurig im Großraumbüro und schaut auf einen leeren Arbeitsplatz
Über Jahre teilt man sich ein Büro mit seinem engen Kollegen – und dann ist er plötzlich tot. © Tina Berning

Zwanzig Jahre waren sie ein Team. Sie planten Konzerte, entwarfen Einladungen, sie schleppten Instrumente und schmierten gemeinsam Brötchen für den Tag der offenen Tür –Anja Berger* konnte sich immer auf ihren Kollegen Helmut verlassen und er sich auf sie. Als er die Diagnose Krebs bekam und über Monate in der Musikschule ausfiel, war sie fest davon überzeugt, dass er wiederkommen würde. Sie übernahm einen großen Teil seiner Aufgaben und sagte ihm: „Wir kriegen das hin. Werde du erst mal wieder gesund.“

Irgendwann kam die Nachricht, er sei im Hospiz. Sie nahm allen Mut zusammen und besuchte ihn. Erst da realisierte sie, dass der Abschied endgültig war. „Davor hatte ich einen Schutzmechanismus. Ich wollte es nicht wahrhaben.“ Die Todesnachricht war auch für viele Kollegen ein Schock. Weil Anja Berger den engsten Kontakt hatte, überschütteten alle sie mit Fragen. Was ist passiert? Was hatte er denn? Warum ist er so früh gestorben? Wann ist die Beerdigung? Was machen wir? Was soll gesagt werden? Für alle war klar, dass Anja Berger die Rede bei der Beisetzung halten sollte. „Für mich war es das Schlimmste, dass ich auch noch sprechen musste. Ich habe es nur mit letzter Kraft geschafft.“

Berger war Organisatorin, Rednerin, Trauerbegleiterin für das Kollegium und Nachlassverwalterin, während ihre normale Arbeit einfach weiterlief, als sei nichts gewesen. In den Ferien räumte sie dann den verwaisten Schreibtisch aus. Alle anderen waren im Urlaub. Danach brach sie zusammen....

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