„Moral im System verankern“

Jonathan Haidt erforscht die psychischen Grundlagen moralischen Handelns. Ihn beschäftigt, wie man wie man Moral tiefer in Unternehmen verankern kann.

Eine afrikanische Erntehelferin pflückt Kaffeebeeren vom Strauch
Wie kann man faire Bedingungen für Arbeitende im Kaffeeanbau schaffen? © NurPhoto/Getty Images

Als ein Grundprinzip der Moralpsychologie nennt Jonathan Haidt in seinem Buch The Righteous Mind: „Intuitionen kommen zuerst, strategisches Räsonieren danach.“ Gemeint ist, dass wir über uns und unsere Mitmenschen längst geurteilt haben, wenn wir vernünftige Begründungen für unsere Werturteile nachschieben. Wohlüberlegtes, rationales Handeln ist eine Idealvorstellung, allerdings eine illusionäre. Haidt zeichnet das Bild vom Reiter auf dem Elefanten: Das Tier lässt sich vom Reiter nur steuern, wenn es ihm genehm ist. Unsere Vernunft ist der Reiter, unsere Intuitionen sind der Elefant.

Als ein weiteres Prinzip nennt Haidt: „Moralität bindet und verblendet.“ Menschen treffen Entscheidungen je nachdem, ob sie als Individuen oder als Teil von Gruppen handeln. Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe schafft eine eigene Moral.

Neben dem Elefanten erscheint bei Haidt häufig die altgriechische Figur des Glaukon, des Bruders von Platon. Im Sokrates-Dialog Der Staat sagt Glaukon, viele Menschen wollten nur in den Augen der anderen gut aussehen, nicht aber wirklich gut sein. Wären sie unsichtbar, hielte sie nichts davon ab, zu stehlen, zu vergewaltigen und Gefangene zu befreien. „Glaukonier“ verhalten sich für Haidt nur deshalb nach den Normen der Gesellschaft moralisch, weil sie fürchten, ihren guten Ruf zu verlieren.

PSYCHOLOGIE HEUTE Sie haben die psychologischen Fundamente der Moral erforscht. Sie benennen diese mit Fürsorge, Gerechtigkeit, Loyalität, Autorität und Heiligkeit. Und Sie meinen, konservative Politiker würden alle fünf „Geschmacksnerven“ der Moral ansprechen, während sich linke zum eigenen…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 1/2014: Zufriedenheit
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