Der perfekte Körper

Sind wir ethisch verpflichtet, schlank und durchtrainiert zu sein? Offenbar ja, sagen Forscher. Wie kommt das?

Ein Mann zeigt seinen sehr durchtrainierten und schlanken Körper.
Ein Waschbrettbauch erfordert viel Training. So ein Körper gilt als attraktiv, aber ist er auch ethisch wertvoll? © Westend61/Matthias Drobeck

Wenn Sandra Pallmann* sich auszieht, ist sie niemals nackt. Denn einen kleinen Apparat an ihrem Handgelenk legt sie nicht ab. „Mein Fitnesstracker zählt jeden Schritt, überwacht sogar meinen Schlaf“, schwärmt sie. „Er sagt mir, wie viel Körperfett ich habe, coacht meine Ernährung.“ Sandra Pallmann, 27 Jahre alt, hat ein Ziel. Es lautet: vier Kilo weniger, definierte Muskeln, festere Oberschenkel. Die Düsseldorferin hatte schon immer eine normale, schlanke Figur. Aber sie ist auch überzeugt, dass ein schlankerer und muskulöserer Körper sie glücklicher macht: „Schon Coco Chanel hat gesagt: Nichts schmeckt so gut, wie es sich anfühlt, dünn zu sein.“

Wie viele andere versucht Sandra Pallmann, einer Vorstellung nahezukommen, wie der Körper heute geformt und beschaffen sein sollte: nämlich jung, gesund, schlank, fest und trainiert. Von diesem Ideal berichtet die britische Philosophin und Professorin an der University of Birmingham Heather Widdows in ihrem Buch Perfect Me. Es verbreite sich seit einigen Jahren in der ganzen Welt. Und indem es so viele teilten, sei es nicht mehr nur ein Schönheits-, sondern auch ein ethisches Ideal geworden. Was ist da passiert, und warum versuchen so viele, dieser Pflicht nachzukommen?

Wir wollen attraktiv sein

Schönheitsideale an sich sind keine Erfindung der Neuzeit. Sie haben eine bewegte Vergangenheit. Die griechische Klassik feierte Frauen mit sanften Rundungen, die Renaissance verehrte üppige Frauen­körper, in der Romantik hungerten sich Frauen mit Essig und...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 3/2019: Die Kunst des Aufgebens
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