Mushroom-Therapie: Einzeldosis wirkte wochenlang

Halluzinogene Pilze gegen Depressionen? Eine Studie erforschte die therapeutische Wirkung von Psilocybin. Und die Ergebnisse sind vielversprechend.

In der bislang größten klinischen Phase-2-Studie mit Psilocybin konnte gezeigt werden, dass eine Einzeldosis depressive Symptome deutlich linderte. Die Verbesserung bestand auch noch sechs Wochen nach der Einnahme. Die Personen waren von Psychologinnen und Psychiatern vorbereitet worden. Direkt nach der Einnahme verbrachten sie einige Stunden in einem Raum unter fachlicher Aufsicht, außerdem gab es Nachbesprechungen. Psilocybin ist ein Wirkstoff des halluzinogenen Pilzes Psilocybe, auch magic mushroom genannt. Der Nutzen für die Behandlung von Depressionen wird seit einigen Jahren erforscht.

Insgesamt wurden 104 Patientinnen und Patienten aus den USA mit schwerer Depression untersucht. Bei 25 Prozent der Untersuchten, die das Psilocybin genommen hatten, ging die Depression um mindestens 50 Prozent zurück. Zu den Nebenwirkungen, die berichtet wurden, zählten Kopfschmerzen (bei 66 Prozent) sowie Übelkeit und kurzfristige Sehstörungen.

Die Hälfte der Teilnehmenden hatte ein Placebo mit einem nichtantidepressiven Wirkstoff erhalten. Die Studie wird von einer US-amerikanischen Non-Profit-Organisation verantwortet. Ist eine Phase-2-Studie erfolgreich, folgt eine Phase-3-Studie mit höheren Anforderungen.

Quelle

Charles L. Raison u.a.: Single-dose psilocybin treatment for major depressive disorder. A randomized clinical trial. JAMA, 2023. DOI: 10.1001/jama.2023.14530

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