„Wer will ich sein?“

Willenskraft reicht nicht für Veränderungen, sagt Psychotherapeutin Johanna Müller-Ebert. Man muss sich auf den Veränderungsprozess einlassen.

PSYCHOLOGIE HEUTE Der Satz „Wenn du etwas wirklich willst, dann schaffst du es auch“ hält sich hartnäckig, obwohl wir immer wieder die Erfahrung machen, dass das nur begrenzt stimmt. Warum reicht bloße Willenskraft für eine Veränderung nicht aus?

JOHANNA MÜLLER-EBERT Eine Veränderung ist ein Prozess von jeweils vier aufeinanderfolgenden Schritten, wovon jeder notwendig ist und keiner übersprungen werden kann. Das blenden wir gerne aus.

Zu Beginn kündigt sich ein Veränderungswunsch zum Beispiel durch innere Unruhe an und beschäftigt mich immer stärker, Gefühle treten auf. Im zweiten Schritt wende ich mich vom Innen nach außen: Ich prüfe meinen Wunsch an den Gegebenheiten meiner Umwelt und meinen Möglichkeiten und entwickele eine Zukunftsvision davon, wer ich sein werde nach der gelungenen Veränderung, setze mir möglichst einen inneren Termin und fange an, konkrete Veränderungsschritte zu planen. Ich spreche mit anderen über mein Vorhaben, suche mir Unterstützung und nutze immer wieder meine Zukunftsvision als Motor.

In Phase drei werde ich aktiv, führe die notwendigen Handlungen aus, jetzt bin ich am Zug. Der vierte Schritt ist die Phase der Identifikation, der Ruhe nach dem Sturm, nun verankere ich die Veränderung in meinem Alltag. Ich freue mich über das, was mir geglückt ist, betrauere vielleicht das, was ich hinter mir gelassen habe, und würdige meine Anstrengungen.

Oft erwarten wir insgeheim, dass eine einmal gefasste Absicht genügt und sich das gewünschte Ergebnis auf magische Weise einstellt, dass wir plötzlich fit und schlank sind oder der neue, besser bezahlte Job samt einer glücklichen Partnerschaft auf dem Silbertablett serviert würde. Die…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Mut zur Veränderung: Psychologie Heute 10/2014
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