Babylonische Sprachentwirrung

„Lincoln was born in achtzehnhundertneun“: Wie Dolmetscherinnen, Übersetzer und wir alle die Sprachen im Kopf (nicht) auseinanderhalten.

Die Illustration zeigt einen Mann der strickt umringt von buntem Buchstabenchaos
Unser Kopf fügt einzelne Informationen zu einem sinnvollen Ganzen © Jan Robert Dünnweller

Sie können es, Sie tun es ständig, meist fehlerfrei und ohne nachzudenken: Sie bringen die Sprachen, die Sie beherrschen – seien es Schwäbisch und Hochdeutsch oder zwei, drei Fremdsprachen – nicht durch­einander. Wenn Sie die Sprache A sprechen, kommt Ihnen B nicht in die Quere, wenn jemand Sie in B anspricht, antworten Sie in aller Regel nicht in A. Und wenn ich Sie frage, wie Sie das machen, sagen Sie vermutlich: „Kein Problem. Es kommt darauf an, wo ich bin und mit wem ich rede.“

Aber vielleicht sagen Sie auch: Wieso sind Schwäbisch und Hochdeutsch zwei Sprachen? Weil man zwischen ihnen wechselt, wie man zwischen Deutsch und Englisch wechseln würde – es kommt auch hier darauf an, wo man ist und mit wem man redet. Wir verfügen über eine muttersprachliche Mehrsprachigkeit, wir mögen Schwäbisch, Bayerisch oder Plattdeutsch nicht sprechen können, aber wir verstehen es. Zweisprachig oder „bilingual“ sind nicht nur jene, die als Kind zweisprachig aufgewachsen sind und/oder mindestens zwei Sprachen fehlerfrei beherrschen, sondern alle, die in mehr als einer Sprache ein Gespräch führen und zwischen Sprachen wechseln können. Für jemanden, der mit Hochdeutsch aufgewachsen ist, kann nach einem Umzug Hessisch durchaus die erste Fremdsprache sein.

Ich frage also noch einmal: Wie machen Sie das? Steckt in Ihrem Gehirn jede Sprache in einem eigenen Tank, ist also Englisch an einem Ort, Deutsch an einem anderen angesiedelt? Oder gibt es einen großen Tank „Sprache“ mit einem Hahn für jede Einzelsprache, der auf- und zugedreht werden kann?…

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