Die Frau an der Schnittstelle

Kleinlaut war Angela Friederici nie. Ihr Widerspruchsgeist trug zu einer großen Forschungskarriere am Schnittpunkt von Sprache, Psyche und Hirn bei.

Die Max-Planck-Wissenschaftlerin Angela Fiederici steht in einer Zuschauerreihe im Hörsaal
Angela Friederici analysierte Babylaute: Schon Neugeborene schreien in ihrer Muttersprache. © Steffen Roth

Acht Studierende machen sich auf den Weg ans französische Mittelmeer. Es sind Semesterferien und der Plan ist klar: Sie wollen sich am Hafen ein Segelboot leihen und dann in See stechen, Kurs Korsika. Kei­ner von ihnen besitzt einen Segelschein. „Aber“, so erinnert sich Angela Friederici, „einer von uns hatte ein bisschen Ahnung davon. Der spielte den Kapitän. Er hatte zwei Bücher dabei. Das eine hieß Heut’ geht es an Bord, das andere Beaufort 10, was tun? – und ich kann Ihnen sagen: Wir haben beide Bücher gebraucht.“

Angela Friederici ist damals 21 Jahre alt. Im Sturm, so sagt sie, sei die halbe Mannschaft „nicht mehr zu gebrauchen“ gewesen. „Denen war entweder schlecht oder sie hatten Angst. Was du da an Psychoreaktionen erlebst, das ist schon interessant.“ Ob sie selbst diese Panik gespürt hat im Angesicht der Wellen? Angela Friederici lächelt. „Neeee. Kann man echt nicht sagen.“ Sie hätten die Segel eingeholt, sich vom Wind treiben lassen, ein paar Leinen ausgeworfen, um das Boot auf Kurs zu halten – und dann gemeinsam den Sturm weggesungen mit alten Seemannsliedern. So wurde aus Angela Friederici eine „passionierte Seglerin“.

Ihr ist Feigheit fremd

Dies ist keine Anekdote über Wissenschaft. Und doch sind darin all die menschlichen Eigenschaften umrissen, die Angela Friedericis bemerkenswerte Karriere beförderten. Da ist der Mut, etwas zu wagen, das man eigentlich gar nicht kann. Die Neugier auf das Unbekannte. Das Zutrauen, das einem…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 2/2022: Für sich einstehen
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