Der Schriftgelehrte

James Pennebaker erforschte, warum uns Schreiben entlastet. Und vieles mehr. Seine Frau nennt ihn „Mad Scientist“. Porträt eines Umtriebigen.

Der Professor und Psychologe, James Pennebaker, sitzt an seinem Schreibtisch und macht Notizen, daneben steht eine Lampe
Psychologieprofessor James Pennebaker sieht es als Geschenk, wenn das Gegenteil von dem herauskommt, was er erwartet hat. © Kenny Braun

Eines Abends erzählte James Pennebaker seiner Frau Ruth von einer neuen Idee: Power-Trauern. „Stell dir das vor. Du könntest dich in Trauer versenken, dich von ihr ganz überwältigen lassen und sie so durcharbeiten. Es müsste vielleicht nicht so lange dauern, um über einen Verlust hinwegzukommen und sich besser zu fühlen.“

Power-Trauern? In dem Moment, als sie den Begriff hörte, habe sie ihn gehasst, erinnerte sich Ruth Pennebaker kürzlich in einem Blog. Die Bemerkung ihres Mannes brachte sie auf die Palme. „Das ist die lächerlichste Idee, die ich je in meinem Leben gehört habe. Du kannst Trauer nicht kontrollieren! Trauer kontrolliert dich“, habe sie zu ihm gesagt.

Und typisch James Pennebaker: Ihre Reaktion habe ihrem Mann gefallen. Er habe es schon immer genossen, mit seinen wilden Ideen die Leute aus der Fassung zu bringen, vor allem sie. „Überleg doch mal“, habe er gesagt, „eine frisch verwitwete Frau könnte nach zwei Wochen wieder auf ein Date gehen.“ Das brachte sie noch mehr auf: „Das ist eine abscheuliche Idee! Ein Sakrileg! Hör auf!“

35 Jahre ist dieser hitzige Wortwechsel her. Aus der Idee des Power-Trauerns sei niemals etwas geworden, wie sie es vorhergesagt habe, schreibt Ruth. „Aber viele andere Einfälle meines Mannes waren sehr erfolgreich.“

Von skurrilen Geistesblitz zu wissenschaftlichen Konzepten

In der Tat hat der amerikanische Psychologieprofessor James W. Pennebaker in den letzten vier Jahrzehnten wegweisende Arbeiten hervorgebracht, die um die Themen Gesundheit, Trauma, Emotionen und Sprache kreisen. Gerade wurde…

Den kompletten Artikel können Sie bei uns kaufen oder freischalten.

Artikel zum Thema
Gesundheit
Wer ein Tagebuch führt, kennt den Effekt: Ein Problem zu Papier zu bringen entlastet die Seele. Experten erklären, wie Schreiben das Leben verbessert.
Leben
Der Tod des Partners oder eine Kündigung kann uns den Boden unter den Füßen wegziehen. Doch wie gehen wir damit um?
Gesellschaft
In vielen Gesprächen scheinen beide nur ein Thema zu kennen: sich selbst. Wie gelingt es, diese Doppelmonologe in echte Begegnungen zu verwandeln?
Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 11/2021: Egoisten
Psychologie Heute Compact 67: Schwierige Beziehungen
file_download print

Die Redaktion empfiehlt

Leben
Sorgenschleifen können sich verselbstständigen und großen Einfluss auf unser Leben haben.
Beziehung
Zweifel an der eigenen Beziehung sind eine große Belastung – für den Partner und insbesondere den Betroffenen.
Leben
Die Persönlichkeitsstörung ist in aller Munde – überall lauern scheinbar selbstverliebte Egomanen. ► Doch wie tickt ein Narzisst wirklich?