Ich bin mies drauf, na und?

Warum es unserer Psyche guttut, unerfreuliche Gefühle und Gedanken anzunehmen statt sie abzuwehren.

Ob wir gereizt sind, schlecht gelaunt oder traurig: Unerfreuliche Gefühle oder Gedanken sind unvermeidbar, und wir sollten sie akzeptieren. Dies fördert die seelische Gesundheit, zeigen Psychologinnen und Psychologen in drei Studien mit rund 1300 Teilnehmenden. Diejenigen Freiwilligen, die normalerweise ihre negativen Gefühle und Gedanken hinnahmen und nicht abwerteten, reagierten weniger heftig auf Stress, erlebten negative Gefühle weniger intensiv und waren psychisch gesünder als andere.

Das Forschungsteam stellte zunächst bei einer Befragung fest, dass es generell gesünder ist, eigene Gefühle und Gedanken zu akzeptieren, positive wie negative, als dies nicht zu tun. Außerdem brachten die Forschenden die Probandinnen und Probanden im Labor in eine Stresssituation und erfassten die emotionalen Reaktionen darauf. Sie fielen bei denjenigen weniger intensiv aus, die bei der Akzeptanzmessung hohe Werte erzielt hatten.

Alltäglicher Stress 

Die Teilnehmenden der dritten Studie waren mehr als 200 Frauen und Männer mit unterschiedlichem sozioökonomischem Hintergrund, die zwei Wochen lang ihre alltäglichen Ereignisse und jeweils zwölf negative sowie vier positive Emotionen in einem Tagebuch notierten. Sie gaben an, wie stressig alltägliche Ereignisse für sie waren. Sechs Monate später erhoben die Psychologinnen und Psychologen, wie es um das seelische Wohlbefinden der Versuchspersonen bestellt war. Es zeigte sich erneut, dass es denjenigen, die ihre unerfreulichen Gefühle hinnahmen und sie nicht bewerteten, psychisch deutlich besser ging als anderen, die ihre negativen Emotionen verurteilten.

Wie die Forschenden betonen, galt dieser Zusammenhang für unterschiedliche Arten des Wohlbefindens, etwa das Gefühl von Sinn oder die allgemeine Lebenszufriedenheit, und unabhängig vom sozioökonomischen Status und dem Ausmaß des Stresses. Das Beste daran: Akzeptanz dämpfte nur die negativen Emotionen und Gedanken, nicht die positiven.

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute Compact 70: Was in schweren Zeiten hilft
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