„Fahr los und du erlebst etwas“

Im Schriftsteller-Interview spricht Lucy Fricke über abwesende Väter, die späte Annäherung und darüber, was beim Reisen so alles in Bewegung kommt.

Das Foto zeigt die Schriftstellerin Lucy Fricke
„Die heutigen Kinder haben es zum ersten Mal mit anwesenden Vätern zu tun!“, sagt Lucy Fricke. © Dagmar Morath

Frau Fricke, in Ihren Büchern ging es bisher oft um Probleme jüngerer Großstädter; Eltern spielten eher indirekt eine Rolle. Im Roman Töchter steht nun die Beziehung zweier Frauen zu ihren Vätern im Vordergrund. Wie kam es dazu?

Am Anfang wusste ich nur, dass ich über zwei Frauen um die vierzig schreiben will, die ganz viel miteinander reden. Obwohl das allein natürlich noch keinen Roman füllt, habe ich ausführlich darüber nachgedacht, welche Themen in dem Alter relevant sind: Neben Karriere und Beruf bekommt die Kinderfrage noch mal eine große Dringlichkeit. Und die eigenen Eltern rücken eben auch wieder in den Fokus, dadurch dass sie alt werden, krank werden, sterben. Ich beobachte das auch in meinem Berliner Umfeld: Zwischen 20 und 40 Jahren waren die Eltern gefühlt irgendwie weg. Mit 25 habe ich noch gedacht: Ab jetzt macht jeder seins. Und dann kommt plötzlich eine Phase, wo man sich den Eltern wieder annähert. Auch viele Freunde fangen plötzlich an, erstaunlich liebevoll über ihre Eltern zu sprechen. Ich weiß mittlerweile, wie deren Väter und Mütter heißen, was sie machen, Gespräche fangen oft mit der Frage an: „Wie geht es deinen Eltern?“ Ich finde das schön. Ich war nur überhaupt nicht drauf vorbereitet. Dass der Kontakt mit den Eltern in dieser mittleren Lebensphase wieder wichtiger wird, hat sicher damit zu tun, dass man in der Zeit eine Art Zwischenbilanz für das eigene Leben zieht. Da entstehen oft auch Fragen zur Herkunft, zu Vergangenem: Man will noch viel mit den Eltern bereden – und die Zeit dafür läuft langsam ab.

Sind das ganz individuelle Vaterkonflikte, die Sie da im Roman darstellen, oder stehen sie prototypisch für das Verhältnis von erwachsenen Töchtern zu ihren Vätern?

Vielleicht beides. Die beiden Protagonistinnen Martha und Betty haben ja schon eine Geschichte und tauchen bereits im Roman Ich...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 11/2019: Mut zur Angst
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